Das Trauma bleibt im Kopf

Hubert Franz Schweitzer lebt heute noch mit einem Trauma: Er wurde beim "Prager Frühling" angeschossen..

"Bilder gegen Gewalt". So heißt eine Ausstellung, die der Heimatkreis Tachau derzeit in der städtischen Galerie im Kulturzentrum Hans Bauer zeigt. Menschen, eingesperrt, gequält und gedemütigt - die Plakatmotive nähern sich auf unterschiedlichen Wegen dem Thema "Politische Gewalt".

Der Münchener Künstler Hubert Franz Schweitzer beschäftigt sich mit dem Thema schon seit Jahren - mit einer regelmäßigen Ausstellung in München, immer am 10. Dezember, Tag der Menschenrechte. Für Weiden stellte er seine Arbeiten und die seiner Schüler von der Privaten Berufsfachschule für bildende Kunst zur Verfügung. Die Motive sind schonungslos und zum Teil drastisch, mal Foto-realistisch, mal abstrakt, aber immer eindeutig in der Aussage: Nein zu Gewalt.

Biographischer Anker

Was Schweitzer wichtig ist: "Die Ausstellung kennt keine Schulterklappen. Heute gibt es viele Ausstellungen gegen Rechts, aber das ist mir zu einseitig." Thematisiert wird denn auch der Rassismus des Ku-Klux-Klan und die Judenvernichtung in Mauthausen, aber eben auch das Unrecht und die Gewalttaten der Kommunisten. Die Gräuel der Sowjets und ihrer Verbündeten setzt dann auch den biographischen Anker von Schweitzer zur politischen Gewalt. Einmal über seine Mutter, die damals brutal aus Tschechien vertrieben worden war. Und einmal sehr direkt. 1968 wollte sich der Künstler als 20-Jähriger an der Kunsthochschule in Prag einschreiben. Just am 21. August 1968, an dem Tag als die sowjetischen Panzer den "Prager Frühling" niederwalzten. Diesen Zufall hätte Schweitzer beinahe mit dem Leben bezahlt.

Schuss ins Becken

Der junge Mann wurde auf der Suche nach einem Unterschlupf angeschossen. "Ich sah eine Tür, vor der bereits fünf Menschen standen. Die Tür wurde von innen zugehalten, aber ich konnte sie aufdrücken." Bevor Schweitzer sich aber in Sicherheit bringen konnte, traf ihn eine Kugel ins Becken und blieb stecken. "Das ist ein Trauma, die Bilder bleiben im Kopf. Für mich ist heute noch der August ein schlimmer Monat."

Die Ausstellung "Bilder der Gewalt" ist noch bis 28. August zu sehen. Geöffnet ist sie Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und 14 bis 16.30 Uhr sowie am Samstag von 10.30 bis 12 Uhr.
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