Deal: Drei Jahre Haft

Drei Jahre für den sexuellen Missbrauch seiner 20-jährigen Tochter. Ist der Mann, der erst im Januar 2010 wegen viele Jahre andauernden Missbrauchs seiner beiden minderjährigen Töchter zu sechs Jahren verurteilt worden war, zu gut weg gekommen?

Weiden. (rns) Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle gab zu, dass dieser Eindruck entstehen kann. Jedoch habe die prozessuale Lage keine andere Möglichkeit zugelassen als den Deal mit Verteidiger Rouven Colbatz einzugehen. Auch hatte Colbatz mit einigen Anträgen den Richtern Ströhle und Peter Werner das Leben schwer gemacht.

Aussage verweigert

Das Opfer hatte sich nicht in der Lage gesehen, gegen seinen Vater auszusagen. Nach Angaben von Rechtsanwältin Monika Sehmsdorf leidet die junge Frau an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die einer sehr langen Therapie bedarf. Deshalb hatte die 20-Jährige von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Dies jedoch hatte, so Ströhle, zur Folge, dass Dutzende von Übergriffen in früheren Jahren nicht gänzlich hätten aufgeklärt werden können und die Verfahrenspunkte deshalb eingestellt werden mussten.

Verurteilt wurde der Angeklagte also nur wegen eines Falles des sexuellen Missbrauchs einer nicht widerstandsfähigen Person. Am 16. Februar war die 20-Jährige, nach einer Faschingsveranstaltung stark alkoholisiert, zu ihrem Vater in die Wohnung gekommen. Nachdem sie sich in dessen Ehebett schlafen gelegt hatte, entkleidete der 43-Jährige ihren Unterleib und berührte sie unsittlich. Dies gestand der gebürtige Neustädter nach dem Deal seines Verteidigers mit Staatsanwaltschaft-Gruppenleiter Peter Frischholz und der Strafkammer.

Dass die Tat nur wenige Wochen nach der Haft-Entlassung und dem anschließenden Psychiatrie-Aufenthalt geschehen war, kreidete Frischholz dem Angeklagten besonders an. In der Therapie habe dieser doch gelernt, wie wichtig es sei, zu seiner Schuld zu stehen. Aber im SMS-Verkehr mit seiner Tochter nach der Tat habe der Angeklagte ihr immer wieder vorgeworfen: "Du bist schuld! Du hast mit dem Sex angefangen!" Auch Nebenklagevertreterin Sehmsdorf warf ihm sein Verhalten nach der Tat vor. Mit Drohungen, Selbstmord zu begehen, hätte der Geschiedene Druck auf die junge Frau aufgebaut, statt Reue und Mitgefühl zu zeigen.

Rechtsanwalt Colbatz fand es "absolut unerklärlich", dass die Geschädigte nachts um vier zu ihrem Vater in die Wohnung und später ins Bett gegangen war. Zu einem Mann, der sie über Jahre hinweg als Kind und später Jugendliche auf das Übelste missbraucht hatte.

Unbeschreibliche Perversität

Im Urteil sprach Ströhle noch einmal die Vorverurteilung vom Januar 2010 an. Die Zeitdauer, Intensität und Art der Perversität dessen, was der Verurteilte seinen Töchtern angetan hatte, seien fast unbeschreiblich. Nur gut zwei Wochen, nachdem man in der Psychiatrie gemeint habe, jetzt gehe keine Gefahr mehr von ihm aus, und ihn auf Bewährung entlassen habe, habe er die erste Gelegenheit beim Schopf gepackt und sei rückfällig geworden.

In einem psychiatrischen Gutachten hatte Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder keine krankhafte seelische Störung erkannt und den Landkreisbewohner für voll schuldfähig befunden. Allerdings erkannte Dr. Rieder, im Gegensatz zu früheren Gutachtern, doch ein sexuelles Interesse an Kindern im vorpubertären Alter.
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