Deal im Verfahren gegen "Phaeton-Bande" - Ungleiches Brüderpaar ist sich nicht grün
Fünf Fürther gestehen Crystal-Handel

Weiden. (ca) Zwischen den "Banknachbarn" vor der Strafkammer des Landgerichts herrscht Eiseskälte. Der Hauptangeklagte (42) hat drei Tage vor Prozessbeginn noch schnell gegen seinen älteren Bruder ausgepackt. Zum Zweck der eigenen Strafmilderung. Der große Bruder (44), bis dato als Randfigur der "Phaeton-Bande" auf freiem Fuß, sitzt daher seit Freitag auch wieder in Haft.

Zum Prozessauftakt am Montag muss das ungleiche Brüderpaar in der Mitte der fünf Fürther Platz nehmen, angeklagt des Crystal-Handels. Beide Brüder sind in Eschenbach geboren, wohnhaft in Fürth, beide sind gelernte Kfz-Mechaniker. Äußerlich hören die Ähnlichkeiten auf: Der Große ist tatsächlich groß. Der Jüngere ist klein und schmächtig. In Verhandlungspausen hält man sie lieber getrennt. Und am ersten Tag gibt es gleich eine große Pause. Das Gericht unter Vorsitz von Walter Leupold, Verteidiger und Staatsanwalt verhandeln in einem nichtöffentlichen Rechtsgespräch über einen "Deal".

Laut BGH-Rechtssprechung kann sich ein Geständnis bis zu einem Drittel strafmildernd auswirken. Am Ende erklären sich alle Fünf geständig. Das Gericht stellt Strafen von maximal 9 Jahren für den Haupttäter (der kleine Bruder) und 6 Jahren für seinen gleichaltrigen Komplizen in Aussicht. Für die drei Mittäter geht das Strafmaß von Bewährung, die es für den großen Bruder geben könnte, bis zu 3 bis 4 Jahre Haft für einen Rentner. Er hatte 200 Gramm Crystal im Opel Corsa ins Land gebracht.

Im Zentrum der Anklage steht eine Beschaffungsfahrt vom September 2014. Damals hatten der Hauptangeklagte und sein Komplize auf der Flucht vor der Polizei ein Päckchen mit Crystal (200 Gramm) aus dem Fenster eines Phaeton geworfen. Wenige Tage später waren im BMW des Hauptangeklagten in Nürnberg weitere 900 Gramm gefunden worden.

Ohnehin: die Autos. An dieser Stelle wird der Hauptangeklagte munter. Sein BMW 325i Cabrio soll eingezogen werden. Ebenso ein Aktiendepot von 110 000 Euro. Dagegen protestiert er. Dieses Geld sei legaler Gewinn. Laut Leupold ist das gleichgültig: "Das Geld ist einziehbar." Im Nürnberger Raum würden für ein Gramm Crystal 110 Euro gezahlt. "Man kann sich ausrechnen, in welche Beträge das reingeht."

Die zwei Haupttäter - der jüngere Bruder und der gleichaltrige Komplize - waren selbst abhängig. Laut Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder liegen bei beiden die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vor. Am Dienstag werden Zeugen vernommen.
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