Dealer in Luxuswagen

Das "Bunkerfahrzeug": Im 3er BMW Coupé soll sowohl die Schmuggelware als auch der Erlös der Rauschgiftgeschäfte aufbewahrt worden sein. Bilder: Zollfahndungsamt

Vier Hartz-IV-Empfänger aus Fürth müssen sich ab Montag wegen Drogenhandels vor Gericht verantworten. Zwei davon sind Brüder (42 und 44), geboren in Eschenbach. Beim Jüngeren, dem Hauptdrahtzieher, wurde ein Vermögen von fast 170 000 Euro sichergestellt. In der Garage standen ein Phaeton und ein 3er BMW Coupé.

( ca) Die "Phaeton-Bande" machte vor einem Jahr Schlagzeilen. Mit Vollgas war der VW-Luxuswagen am 4. September auf der A 6 spätabends einer Streife davon gerauscht. Die Waidhauser Polizisten wissen auch, wo das Gaspedal liegt und so konnte der Phaeton bei der Anschlusstelle Vohenstrauß gestoppt werden. Die zwei Fürther im Wagen hatten eine weiße Weste aufzubieten - hatten sie doch während der wilden Verfolgungsjagd ein Packerl mit Crystal im Wert von 7000 Euro aus dem Autofenster geworfen.

Die Polizei musste die Verdächtigen nach der Personalienaufnahme gegen Mitternacht entlassen. Die Männer nahmen sofort die Suche nach dem mit Klebeband umwickelten Paket auf. Stundenlang liefen sie noch in der Nacht den Grünstreifen der A6 auf und ab. Zur Verstärkung kamen im 3er BMW Coupe die zwei Komplizen aus Franken angedüst. Über drei Stunden fuhren die Männer die Autobahn ab, hielten immer wieder am Standstreifen und leuchteten ins Gras. In den Folgetagen ging die fieberhafte Suche nach der Ware weiter: am nächsten Tag und am übernächsten. Bis die Angeschuldigten schließlich neue Ware am Asia-Markt in Tschechien holten. Soweit die Anklage.

Mitarbeiter der Straßenmeisterei machten am 8. September schließlich den Fund. Sie entdeckten bei Reinigungsarbeiten ein Paket mit weißlicher Substanz und holten die Polizei. Die Zollfahnder der "Soko Crystal" aus Nürnberg übernahmen mit der Staatsanwaltschaft Weiden die Ermittlungen. Die Verbindung zu den Fürthern im Phaeton wurde geknüpft. Keine zehn Tage später klickten die Handschellen. Einsatzkräfte durchsuchten sieben Wohnungen. Sie stellten fast 1 Kilo Crystal, 50 000 Euro in bar, fünf teils hochwertige Autos, die 30 Handys und acht Schreckschusswaffen sicher.

Die Staatsanwaltschaft Weiden hat eine umfangreiche Anklage gegen die vier "Arbeitslosen" und einen Rentner ausgearbeitet. Alle sind deutscher Staatsangehörigkeit. Den fünf Männern wird Drogenhandel und Einfuhr in nicht geringer Menge vorgeworfen. Es sind sieben Verhandlungstage angesetzt. Gegen weitere Verdächtige laufen parallel Verfahren.

Bahnhof und Spielothek

Die "Phaeton-Bande" soll in großem Stil Crystal in Asia-Märkten eingekauft und die Drogen im Großraum Nürnberg gewinnbringend unter das Volk gebracht haben. Die Ware wurde unter anderem in der Nähe des Hauptbahnhofs Nürnberg und in einer Spielothek in Fürth an die Kunden und Kundinnen übergeben.
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