Dealer schickt Freundin auf Einkaufstour

Drei Gerichtstermine ließ der Angeklagte verstreichen, ohne zu erscheinen. Beim vierten Termin wurde der 28-Jährige von Polizeibeamten vorgeführt. Sein Delikt: Schwunghafter Drogenhandel.

Nach Hinweisen aus der Szene und einer daraufhin geschalteten Telefonüberwachung konnte die Polizei den 28-Jährigen festnehmen. Er hatte über mehrere Monate von seinem Wohnort im westlichen Landkreis aus einen florierenden Handel mit Methamphetamin betrieben.

Da er sich selbst wegen mehrerer Vorstrafen im Polizeicomputer wähnte, schickte er seine etwas jüngere Lebensgefährtin zum Einkauf des Rauschgifts nach Tschechien. Die junge Frau war im Januar zu einer Bewährungsstrafe von 21 Monaten verurteilt worden.

Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl warf dem Angeklagten vor, er habe mindestens zwei Mal den Auftrag für den Drogenschmuggel gegeben sowie mindestens neun Verkäufe an mittlerweile bekannte und von der Justiz verfolgte Abnehmer getätigt. Für 20 Euro pro Gramm erfolgte der Crystal-Kauf in Eger. Für 80 bis 100 Euro pro Gramm wurde es verkauft. Vor dem Schöffengericht gab sich der von Rechtsanwalt Dominic Kriegel vertretene Angeklagte reumütig und geständig. Da die Lebensgefährtin schwanger ist, wolle er sein Leben ändern.

Suizidgefahr

Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder berichtete, dass der Angeklagte schon als Jugendlicher mit Rauschgift in Kontakt gekommen sei. Mit Konflikten könne der 28-Jährige schlecht umgehen. Diese führten bei ihm zu Depressionen und Suizidgefahr. Es bestehe eine behandlungsbedürftige Sucht, weshalb er eine Unterbringung in einem Psychiatrischen Krankenhaus befürworte, sagte Dr. Rieder.

Staatsanwalt Härtl hielt dem Angeklagten zugute, dass er zur Überführung mehrerer Drogen-Käufer beigetragen hatte. Erschwerend sei jedoch, dass er zum Tatzeitpunkt unter laufender Bewährung gestanden hatte. Härtl plädierte auf zwei Jahre und neun Monate Haft mit gleichzeitiger Unterbringung in der Drogentherapie. Verteidiger Kriegel hielt ein halbes Jahr weniger für angemessen.

Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl und die Schöffen verhängten schließlich eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und ordneten die Unterbringung an. "Ohne Therapie schaut es bei Ihnen hoffnungslos aus", sagte Richter Heindl zu dem Verurteilten, dessen körperlicher Zustand sich nach fünf Wochen Untersuchungshaft schon merklich gebessert hatte.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.