Dealer verpfeift Dealer

Neben Dopingmittel hatte der Familienvater auch Rauschgift im Haus. Beim Versuch, Crystal zu verticken, flog der 32-Jährige auf. Jetzt muss er für lange Zeit ins Gefängnis und in die Psychiatrie.

Zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilte die 1. große Strafkammer einen 32-Jährigen wegen seiner Rauschgiftgeschäfte in den Jahren 2012 und 2013. Der Mann aus dem westlichen Landkreis Neustadt/WN hatte 250 Gramm Methamphetamin für 35 Euro pro Gramm gekauft. Den Namen des Verkäufers wollte er der Polizei nicht preisgeben - angeblich aus Angst um seine Familie.

Der Angeklagte hatte einen Drogenkonsumenten aus dem Raum Ansbach beauftragt, einen großen Teil des Crystals zu verkaufen. 60 Euro pro Gramm berechnete der Berufslose seinem Abnehmer dafür. Dieser spannte einen weiteren Dealer ein, das Zeug für 100 Euro pro Gramm an die Endkunden zu verticken. Irgendwann einmal riss die "Handelskette". Die Polizei bekam Wind von der Geschichte. Ein Dealer verriet den anderen, und so kamen die Beamten auch auf den Familienvater aus der Oberpfalz. Nach längerer Telefonüberwachung gab es eine Hausdurchsuchung, bei der die Beamten außer Rauschgift auch Anabolika fanden. Diese sollten als Dopingmittel für Sportler dienen.

Vor Gericht verdiente sich der Mann Pluspunkte, indem er über seinen Rechtsanwalt Dr. Jan Bockemühl ein vollständiges Geständnis ablegte. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder berichtete, dass der Angeklagte nach der Übersiedlung nach Deutschland 2002 zuerst exzessiv Alkohol getrunken habe. Später habe er mit Drogen angefangen, was auch familiäre Probleme nach sich gezogen habe. Behandlungsmaßnahmen seien "überfällig", stellte Dr. Rieder fest. Er empfahl die Unterbringung zur Therapie in einem psychiatrischen Krankenhaus für 18 bis 24 Monate. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl hielt dem Angeklagten zugute, dass er bisher sozial eingeordnet gelebt hatte und nur einmal vorbestraft war: 2011 war er mit Crystal im Blut im Auto unterwegs gewesen und mit einer Geldstrafe belegt worden.

Dr. Bockemühl bat, den Suchtdruck zu berücksichtigen. Er plädierte auf vier Jahre und neun Monate. Landgerichtspräsident Walter Leupold, Richter Markus Fillinger und die Schöffen folgten Härtls Antrag auf fünf Jahre. Sie wiesen den 32-Jährigen - nach bereits sieben Monaten in U-Haft - in die Psychiatrie ein. 9000 Euro Gewinn aus den Drogengeschäften werden eingezogen, ebenso wie das zu den Taten benutzte Handy und der Laptop.
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