Demenz: Das kann man tun

Mediziner und Pflegeexperten nahmen beim 7. Gesundheitstag des Fördervereins für Schwerkranke am Podium Platz ( von links): Die Moderatoren Dr. Susanne Kreutzer und Dr. Nikolaus Globisch sowie die Hauptreferenten Neurologie-Chefarzt Dr. Michael Angerer, Dr. Heribert Fleischmann, ärztlicher Leiter des Bezirksklinikums Wöllershof und Carsten Gleißner-Lieske,Leiter des Hauses St. Laurentius in Eschenbach. Bild: sbü

Die Anzahl der Demenzkranken wird sich bis zum Jahr 2050 auf zwei Millionen verdoppeln. Die Gesellschaft der Zukunft wird eine Gesellschaft mit Demenz sein. Der 7. Gesundheitstag des Fördervereins für Schwerkranke zeigte aber auch Möglichkeiten auf, wie man sich schützen kann.

(sbü) "Ich kann Ihnen die Angst vor Demenz nicht nehmen" sagte Dr. Michael Angerer, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Weiden, zu Beginn seines Vortrags. Aber, fügte er hinzu: "Es gibt keinen schicksalhaften Verlauf, demenzkrank zu werden". Damit deutete er an, dass es Möglichkeiten gibt, sich vor dieser Krankheit zu schützen. Welche dies sind, wurde von Dr. Angerer und den anderen Referenten des 7. Gesundheitstags des Fördervereins für Schwerkranke ausführlich erläutert.

Nach der Begrüßung durch Vorsitzende Waltraud Koller-Girke im voll besetzten Versammlungsraum der Cafeteria des Klinikums teilte Dr. Angerer mit, wie man sich vor Demenz schützen kann. Er nannte vier Stichworte: Gedächtnistraining, gesunde Ernährung, Kommunikation und Sport.

Das Gehirn beanspruchen

Noch viel ausführlicher dazu waren die Empfehlungen des ärztlichen Direktors des Bezirksklinikums Wöllershof, Dr. Heribert Fleischmann. "Finger weg von Hormonsubstitution" warnte er. "Schöpfen sie durch Bewegung die Herzreserven mindestens zu 75 Prozent aus. "Die Pumpe muss rasen, mindestens 3 mal 30 Minuten pro Woche". Bewegung sei ein moderner Gesundbrunnen, stellte Fleischmann dazu fest. Und er empfahl auch: "Das Gehirn will beansprucht werden". Als Beispiel nannte er das Jonglieren, das man auch als älterer Mensch gut lernen könne.

Liebe gegen Demenz

"Maßvolle Ernährung steht ebenfalls auf Fleischmanns Vorbeugeliste gegen Demenz. "Viel essen bringt oxydativen Stress, das Insulinsystem sollte man möglichst nicht in Anspruch nehmen". Auch solle man "Herausforderungen suchen". Als Stichworte hierfür zählte er auf: Altersakademie, Musikinstrumente, Fremdsprachen und auch Spiritualität, Religion, Achtsamkeit und Liebe. "Das Gehirn kann trainiert werden, Lernen ist auch im Alter möglich" stellte der Doktor auch fest. Und er erklärte dazu dessen Funktionsweise anhand des Zusammenspiels von "Neuronen und Synapsen". Schließlich empfahl Dr. Fleischmann "eine positive Sicht des Altwerdens. Das hat den meisten Einfluss auf die Gesundheit".

Auch langjährige stabile Partnerschaften würden vorbeugend wirken. Angerer erläuterte, dass "man von Medikamenten gegen Demenz keine Wunder erwarten dürfe" und dass noch längst nicht alles erforscht sei. Ärzte müssten erst einmal feststellen, ob eine Demenzerkrankung vorliegt. Dazu gebe es unter anderem körperliche Untersuchungen, Bluttests, CT und MRT, eventuell auch die "Gedächtnissprechstunde". Der "Mini-Mental-Status-Test" prüft Erinnerungsfähigkeit, Sprachvermögen und stellt Rechenaufgaben. Im Uhren-Test muss der Patient eine Zeitangabe zeichnerisch darstellen.

Über Empfehlungen zum Umgang mit Demenzkranken referierte Carsten Gleißner-Lieske, Leiter des Hauses St Laurentius in Eschenbach mit 23 Vollzeitpflegeplätzen für Demenzkranke. "Menschen mit Demenz haben oft mehr Fähigkeiten, als wir ihnen zutrauen", sagte er. Gleißner-Lieske empfahl auch die Kranken "als Person ernst zu nehmen". Kranke sollte man keinesfalls mit ihren Defiziten konfrontieren, sondern unterstützen und loben. Demenzkranke seien auch sehr feinfühlig für Signale. Geduld und Gelassenheit, deutliches Sprechen und aufmerksames Zuhören waren weitere Empfehlungen.

An sich selbst denken

Für Angehörige sei die Pflege oft eine große Belastung. "Versuchen Sie deshalb auch etwas für sich zu tun", empfahl der Referent. Diesen Gedanken würdigte Oberbürgermeister Kurt Seggewiß auch in seinem Grußwort als er sagte: "Demenz ist ein Thema, das mitten in unseren Familien angekommen ist".
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