Den Paten die Hand gedrückt

Reise in eine andere Welt: Mitglieder und Freunde des Vereins "Hoffnung für Menschen" machten sich mit Vorsitzendem Thomas Ebnet (vorne, Fünfter von links) und zweiter Vorsitzender Judith Haslauer (rechts daneben) nach Indien auf. Bilder: hfz (3)

Anonym geht gar nicht. Jedes Patenkind im 7500 Kilometer entfernten Tamil Nadu kennt seinen Paten aus der Oberpfalz. Oft sogar persönlich. In diesem Jahr reisten 28 Freunde des Vereins "Hoffnung für Menschen" nach Südindien und trafen ihre Schützlinge.

(ca) Meistens muss natürlich ein Foto genügen. Auf jeden Fall gilt das für Ansa, ein 14-jähriges Mädchen, das als Pate das "Finanzamt Weiden" hat. Kollegen haben sich zusammengeschlossen, um der Inderin eine schulische und berufliche Zukunft zu ermöglichen. "Ein sehr nettes Kind", sagt Judith Haslauer, zweite Vorsitzende des Vereins, "das unbedingt wissen wollte, wer sein Pate eigentlich ist." Dieser "Finanzamt Weiden". Die "Finanzerer" schossen ein Gruppenbild vor dem Amt - und Ansa staunte nicht schlecht über ihre vielen "Eltern".

Die Patenschaften für Kinder, Familien, Studenten sind nach wie vor ein Grundpfeiler der Vereins, gegründet 2004. Ausgebaut werden sollen laut Judith Haslauer die Slum-Patenschaften. In der Distrikthauptstadt Nagercoil gibt es vier Slumgebiete. Seit zwei Jahren fördert der Verein bereits 140 Kinder. "Jetzt sollen weitere 120 Kinder die Schule besuchen können." Die Kinder sind namentlich gelistet und müssen Nachweise erbringen. Eine Slumpatenschaft kostet jährlich 60 Euro.

Dass solche Chancen oft beim Schopf gepackt werden, weiß der Verein aus den drei eigenen Kinderdörfern, eröffnet ab 2007 mit aktuell 88 Waisenkindern und ihren elf Kinderdorfmüttern. "Unsere Kinder dort sind inzwischen zu richtigen Teenagern herangewachsen." Man spüre eine positive Entwicklung im Sozialverhalten, dazu eine gute schulische Entwicklung. Unterhaltungen werden durch das gute Englisch immer leichter und lebendiger.

Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass die indische Regierung den Helfern das Leben schwer macht. Die neueste Auflage ist Folge der öffentlich breit diskutierten Vergewaltigungsfälle in Indien. So müssen Jungen neuerdings ab dem 13. Lebensjahr, Mädchen ab 17 Jahren während der Schulzeit das Kinderdorf verlassen. Das ist in der Praxis ein harter Schlag, etwa bei einem verwaisten Geschwisterpaar, das seit Jahren in einer Kinderdorffamilie lebt. Der 17-jährige Mugesh musste nun ausziehen und wohnt in einem Hostel bei seiner Schule. Nur an den Wochenenden darf er im Kinderdorf wohnen, wo seine Schwester lebt. Judith Haslauer: "Erst integriert man die Kinder in Familien, und dann reißt man sie wieder heraus."

Kontakt zu lokalen Lions

Die Kinder werden groß. Ein relativ neues Thema im Verein ist neben dem Studium die Lehrstellensuche. Dazu konnte beim letzten Besuch durch einen schönen Zufall Kontakt zu den lokalen "Lions" geknüpft werden. Princy, ein Kinderdorfkind, hatte als Schulbeste einen Pokal erhalten - gestiftet von den "Lions Nagercoil". "Bei einem Besuch war die Vorstandschaft begeistert von unserer Arbeit", freut sich Judith Haslauer. Fortgeführt werden auch Existenzgründer-Zuschüsse, mit denen eigenen Geschäftsideen auf die Sprünge geholfen wird. Etwa mit einer Nähmaschine, um zu schneidern. Oder - wie jüngst - der Erstausstattung für einen jungen Friseur.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.hoffnung-fuer-menschen.de
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