Den Sprung zu Janner wagen

Geradezu begeistert präsentiert Siegfried Janner (rechts) seinen Auszubildenden Marco Pirner (links). Vor allem auf Motivation, weniger auf Schulabschlüsse, kommt es dem Geschäftsführer bei neuen Auszubildenden an. Das Duo präsentiert sich mit Arbeitsvermittlerin Yasmin Roth von der Agentur für Arbeit vor dem Grundgerüst einer Waage für Schwerlastfahrzeuge. Bild: Bühner

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind in der Nordoberpfalz noch fast 600 Lehrstellen unbesetzt. Auf der anderen Seite suchen Firmen händeringend nach Nachwuchs, wie beispielsweise die Janner Waagen GmbH. Das Unternehmen entwickelt sich dynamisch weiter, hat neue Geschäftsfelder erschlossen - und sucht noch Auszubildende.

Weiden. (sbü) Dass industrielle Waagen heutzutage keine mechanischen Messinstrumente mehr sind, sondern oftmals Produktionsprozesse steuern, lernt der Besucher rasch in der Firmenzentrale in der Dr.-von-Fromm-Straße in Weiden. Dort werden Waagen verschiedenster Art hergestellt, vertrieben, geeicht und gewartet. Die Produktpalette reicht von Waagen, die 300 bis 400 Tonnen schwere Waggons wiegen können, bis zu solchen, die im Mikrogramm-Bereich messen.

Firma wächst weiter

"Seitdem wir Dienstleister für die von uns selbst hergestellten Produkte tätig sind, wachsen wir jährlich um zwei bis drei Mitarbeiter", sagt Geschäftsführer Siegfried Janner. Derzeit hat er 32 Mitarbeiter, darunter 5 Auszubildende. Anvisiert wird in absehbarerer Zeit ein Beschäftigtenstand von 40. "Leider sind wir als bodenständige Mittelständler nicht so bekannt wie die großen Unternehmen", bedauert Janner.

Drei neue Auszubildende, zwei Elektroniker (Fachrichtung Automatisierungstechnik) und einen Bürokaufmann, möchte er zum 1. September einstellen. Nur einen konnte er bisher gewinnen. Tief enttäuscht ist Janner von einem jungen Mann, der zum 1. August als Bürokaufmann begann und nach acht Tagen wieder abbrach mit der Begründung: "Das ist mir zu viel Stress." Dabei biete sein Unternehmen "eine hochattraktive Ausbildung", sagt der Unternehmer und belegt dies zusammen mit seinem Stellvertreter Sebastian Denzler ("hat auch bei uns gelernt") beim Rundgang durch den Betrieb mit zahlreichen High-Tech-Produkten. "Wir haben unsere eigene Konstruktionsabteilung, eigene Patente und produzieren für viele Industrie- und Dienstleistungsbereiche."

Dass Waagen und sogenannte Industriewägeterminals fest in Produktions- und Lieferprozesse eingebunden sind, sei leider viel zu wenig bekannt. Neben der Waagen-Produktion sind bei Janner Software-Systeme wie Biogas-Power Erntelogistik, der Eich- und Kalibrierservice ebenso im Angebot wie die Wartung und Umrüstung der Mess- und Steuergeräte. Die Arbeitsplätze seien attraktiv, mit abwechslungsreichen und komplexen Inhalten, argumentiert Janner. In den Sommermonaten seien zum Beispiel viele Wartungsarbeiten bei Kunden erforderlich, denn "durch Überspannungsschäden bei Gewittern fallen die Waagen aus".

Mit den anderen größeren Anbietern seiner Sparte sieht sich Janner längst "auf Augenhöhe". Das weitere Wachstum des Unternehmens hänge von zusätzlichem Personal ab. Die Übernahme der Nachwuchskräfte nach erfolgreicher Ausbildung sei "selbstverständlich". Als "Glücksfall" stellen Janner und Denzler ihren Auszubildenden Marco Pirner vor. Der 23-jährige hat ein Maschinenbau-Studium abgebrochen, beginnt jetzt das zweite Ausbildungsjahr und ist begeistert vom Unternehmen und der Breite seiner Ausbildung.

Werbung ohne Erfolg

Um neue Azubis zu gewinnen, hat Janner alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die sich bieten. "Agentur für Arbeit, Zeitungsanzeigen, Werbung an Schulen und Mundpropaganda", zählt er auf. Einen erneuten Anlauf dafür wollen auch Teamleiter Klaus Gredinger und Vermittlerin Yasmin Roth von der Arbeitsagentur starten. "Vielleicht gibt es ja unter den jugendlichen Flüchtlingen eine Möglichkeit", überlegen die beiden. Sie zeigten sich nach dem Betriebsrundgang von der Ausbildungsqualität bei Janner Waagen überzeugt.
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