Deponie: Langer Weg zum Park

Grün dominiert. Durchschnittlich stehen auf einem Hektar der sanierten Mülldeponie in Weiden-West 2207 Bäume. Allerdings vergehen noch Jahre, bis der künftige Park betreten werden darf. Luftbild: Michael Ascherl

"Das war schon eine schöne Herausforderung", sagt Hermann Legat. Wohl auch deshalb wuchs ihm die Sanierung der Deponie Weiden-West ans Herz. Das Zehnjährige des Spatenstichs für eines der größten Projekte dieser Art feierte der ehemalige Chef des Bauverwaltungsamtes dennoch um 14 Tage zu früh.

Am 1. September war Legat nämlich wieder draußen am Zaun. Er schaute hinein auf die große Fläche, in der tief unten im Boden eine Abdichtungsfolie keinen Tropfen Niederschlag in den Deponiekörper lässt. Der Spatenstich fand allerdings am 15. September 2005 statt. In nur sieben Monaten "verbaute" die Stadt auf der 18 Hektar großen Deponiefläche 8,8 Millionen Euro. Mit den ganzen Vorleistungen, die zurück bis ins Jahr 1991 reichen, so erinnert sich Legat, werden wohl 14 Millionen Euro in das Projekt geflossen sein.

Finsterwalder Modell

Zigtausende von Bäumchen ließ die Stadt im lockeren Boden auf der Deponie pflanzen bzw. säen, ersetzte zweimal die "Ausfälle". 2009 waren 84,5 Prozent, insgesamt 31 550 Pflanzen, angewurzelt. Heute stehen 2207 Gehölze auf einem Hektar der Deponie. "Noch ist es kein Park. Noch darf keiner rein, darauf rumlaufen. Aber es wird ein naturnaher Wald. Sogar Stadtförster Wolfgang Winter ist damit zufrieden", betont Legat, der sich einst in die schwierige Thematik einarbeiten und nach Sanierungslösungen suchen musste, die für die Stadt auch finanzierbar waren. Unvergessen, so unterstreicht er, sei die Unterstützung des Weidener Wasserwirtschaftsamtes. "Der damalige Amtsleiter Erich Eichenseer gab uns die richtigen Fingerzeige. Mit dem Finsterwalder Modell kamen wir zum Ziel." Mit einer Versuchspflanzung habe auch Stadtgartenmeister Hans Gallerdörfer bei der Auswahl der Pflanzen richtig gelegen.

Zur Geduld mahnt auch Baudezernent Hansjörg Bohm. Von einem 15 Zentimeter hohen Pflänzchen könne niemand erwarten, dass es innerhalb weniger Jahre zu einer stattlichen Eiche heranwachse. "Aber auf der alten Deponie entsteht ein exquisiter Mischwald, der in der Nordoberpfalz seinesgleichen sucht. Allerdings können ihn erst unsere Enkel in seiner ganzen Pracht erleben."

Momentan befindet sich die ehemalige Deponie in der sogenannten Nachsorgephase und wird laufend überwacht, so z.B. Wurzelwachstum, Gasfackel, Grundwasser usw. Erst in diesem Jahr baute die Stadt eine neue Behandlungsanlage für Schwachgas. Kosten: rund 150 000 Euro. Die Deponie "arbeitet", entwickelt immer noch Methan, auch wenn diese Prozesse zunehmend schwächer werden. Eine wirtschaftliche Nutzung des Gases sei geprüft. Es lohne sich aber nicht, bestätigt Bauhofleiter Manfred Meßner. Das gesammelte Gas werde abgefackelt.

In 25 Jahren begehbar

Es werden wohl noch mindestens 25 Jahre vergehen, bis diese Nachsorgephase abgeschlossen sein wird. Aber der Schutz des Grundwassers und des Trinkwassers sind diese Anstrengungen wert. Das betont Legat auch "zehn Jahre danach". Den Anteil der Stadt an den hohen Kosten haben die Weidener inzwischen über die Müllgebühren aufgebracht.
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