Der Agent aus "Wolf of Wall Street"
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Der "echte" Agent: Gregory Coleman hat den Betrüger verfolgt, dessen Story in "The Wolf of Wall Street" in die Kinos kam. Am Mittwoch vernahm ihn die Weidener Strafkammer zum Fall Wolfgang S.
Weiden. (ca) Der FBI-Mann, den die Weidener Richter am Mittwoch in New York vernommen haben, war nicht irgendein Agent. Gregory Coleman ist vor einem Jahr weltberühmt geworden. Er ist die reale Vorlage für den Agenten, der im Film "The Wolf of Wall Street" den Finanzbetrüger Jordan Belfort (gespielt von Leonardo DiCaprio ) zur Strecke bringt.

Der FBI-Fahnder wird im Film von US-Serienstar Kyle Chandler ("Fackeln im Sturm") dargestellt. Martin Scorseses dreistündiger Streifen, der im Januar 2014 in den deutschen Kinos lief, stützt sich auf die beiden Autobiografien des Betrügers und war in den USA heftig umstritten. Den Kritikern wird Belfort durch die schillernde Darstellung seines ausschweifenden Lebensstil zu sehr verherrlicht: Koks-Partys, Frauen, Porsches, eine Yacht mit Helikopter-Landeplatz. Belfort hatte 210 Millionen Dollar veruntreut, ehe ihn Coleman nach sechs Jahren Ermittlungsarbeit 1998 verhaften konnte.

Jetzt war der 52-jährige Special Agent den Weidener Richtern behilflich, was den angeklagten Millionenbetrug in Weiden angeht. Coleman organisierte die Ladung der sechs Zeugen und den Konferenzraum im Tim Weiss Federal Building am Broadway.

Coleman stand auch selbst Rede und Antwort. Seit über 20 Jahren befasst er sich mit Finanzbetrug und Geldwäsche. Früher ging es bei ihm um Millionenbeträge, inzwischen ermittelt er im Milliardenbereich. Da kann die 1. Große Strafkammer unter Vorsitz von Walter Leupold nicht ganz mithalten. Aber die Summe, die Wolfgang S. seinen Partnern aus der Tasche gezogen haben soll, beläuft sich nach aktuellem Stand der Beweisaufnahme auch schon auf über zehn Millionen Euro.

Vielleicht hilft Gregory Coleman dem deutschen Gericht deshalb so bereitwillig, weil ihn das Urteil gegen seinen berühmtesten Betrüger Belfort nicht zufrieden gestellt hat. Belfort wurde zu vier Jahren verurteilt und nach zwei Jahren freigelassen, weil er mit dem FBI kooperierte. Hinterher schrieb er zwei Biografien und verkaufte teuer die Filmrechte.

In einem "Spiegel"-Interview mit Alexander Osang im März diesen Jahres räumte FBI-Agent Coleman ein: "Ich hätte es besser gefunden, wenn seine Strafe höher gewesen wäre." Sechs Jahre hatte er seinen Gegenspieler Belfort verfolgt. So hartnäckig, dass ihn dieser in seinen Memoiren "meine Zwangsneurose" nennt. Als an einem Morgen 1998 die Festnahme in Belforts Haus erfolgte, war dessen erste Frage: "Wer von euch ist Coleman?" Das könnten ihm seit Mittwoch auch drei Weidener Richter beantworten.
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