Der Arbeitsmarkt braucht Migranten: Aber schon die Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse ist kaum ...
Ein irrer Bürokratie-Dschungel

Das Handwerk sucht Mitarbeiter, Krankenhäuser brauchen Verstärkung. Nur: Vor die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt hat der Staat unüberwindbar scheinende Bürokratie-Hindernisse getürmt. Referentin Yuliya Gorbunova (links) versuchte in zwei Stunden Vortrag, Asylbewerbern die mögliche Anerkennung ihres Berufsabschlusses zu erklären. Bild: sbü
Weiden. (sbü) Der Fachkräftemangel wird immer größer. Verbände und Arbeitgeber schauen längst auf die Zuwanderer. Doch bevor diese in ihrem erlernten Beruf arbeiten dürfen, gibt es viel Bürokratie zu erledigen. Zwei Stunden Vortrag waren erforderlich, um wenigstens die Grundzüge des Anerkennungssystems ausländischer Berufsabschlüsse vorzustellen.

Die wichtigste Erkenntnis, die den Zuhörern des Informationsabends im Café Mitte über die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse vermittelt wurde: Es kommt weniger darauf an, was jemand tatsächlich gelernt hat, sondern vor allem, was er dokumentieren kann. Und das System ist fast unüberschaubar komplex. Wer die deutsche Sprache nicht oder schlecht beherrscht, hat besonders viele Schwierigkeiten.

Undurchsichtiges System

Da müssen viele Zuständigkeiten beachtet, Bundes-oder Landesrecht berücksichtigt oder auch die in einzelnen Berufssparten geltenden Sonderregelungen angewandt werden. Licht ins Dunkel des Netzwerks der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Deutschland brachte Yuliya Gorbunova. Eingeladen hatte der Integrationsbeirat Weiden und Sprecher Veit Wagner.

Yuliya Gorbunova, in Russland geboren, arbeitet im Rahmen der Projekte MigraNet und AGABY. Diese gehören wiederum zum bundesweiten Förderprogramm "Integration durch Qualifizierung (IQ)" mit dem Ziel einer nachhaltigen Arbeitsmarktintegration von erwachsenen Migranten und Migrantinnen. Schon die Projektstruktur ist schwer zu erklären. Dahinter stehen jedenfalls Bundesbildungs- und Bundesarbeitsministerium sowie die Bundesagentur für Arbeit.

Noch undurchsichtiger als die Projektstruktur ist das Anerkennungsverfahren in den jeweiligen Berufen und Zuständigkeitsbereichen. Ob die eingeladenen Asylbewerber dies auch nur annähernd verstanden haben, darf bezweifelt werden. Aber den Vortrag von Yuliya Gorbunova gehört zu haben, dürfte für sie trotzdem sehr nützlich gewesen sein. Denn Yuliya Gorbunova verteilte eine lange Liste mit Namen von Informations- und Beratungsstellen, die Hilfestellung bei der Anerkennung von im Ausland erworbenen Berufsabschlüssen leisten. Ganz oben in dieser Liste stehen die Anerkennungsberatungsstellen in Augsburg und Nürnberg im Rahmen des IQ-Netzwerks.

Die Referentin vermittelte auch sehr anschaulich einige grundlegende Sachverhalte, die beachtet werden müssen, wenn ausländische Staatsangehöriger in Deutschland in ihrem erlernten Beruf tätig werden wollen. So müssten zunächst Asylverfahren und Anerkennungsverfahren ausländischer Berufsabschlüsse völlig getrennt gesehen werden. Beispielsweise könne man auch aus dem Ausland die Anerkennung des Abschlusses beantragen. Für die Antragsteller fallen allerdings zahlreiche Gebühren an, zum Teil auch im Falle der Ablehnung oder Teilanerkennung.

Für so genannte reglementierte Berufe wie Arzt- oder Krankenpflegeberufe gelten andere Regeln als in den anderen Fällen, zum Beispiel auch hinsichtlich der Deutschkenntnisse. Erläutert wurde auch, dass es für die Anerkennung medizinischer Qualifikationen alleine in Bayern sieben zuständige Stellen gibt. Erhebliche Unterschiede im Anerkennungsverfahren bestehen auch zwischen den Berufen des deutschen dualen Ausbildungssystems oder den akademischen Berufsabschlüssen.

Eher diskriminierend

Für eher diskriminierend hält die Referentin "den Wortlaut des ausländischen akademischen Grads auch in Deutschland führen zu müssen". Die Verfahren insgesamt bewertete die Referentin mit dem Satz: "Die Wertschätzungskultur geht verloren."
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