Der Beste ist Autist

"Es rechnet sich", sagt Abteilungsleiterin Juliane Feneis (links) von der Witt-Gruppe, als sie beim Arbeitgeberbrunch über die Beschäftigung Behinderter in ihrem Unternehmen sprach. Bild: sbü

Während der bundesweiten Aktionswoche für Menschen mit Behinderung gibt es auch in Weiden eine Serie von Veranstaltungen. Den Auftakt bildete ein Arbeitgeberbrunch bei der Witt- Gruppe, an dem auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales teilnahm. Die wertvollste Zutat: Infos zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderung.

(sbü) "Es gibt viele Vorbehalte aus Unwissenheit." Das stellte Richard Fischels, Unterabteilungsleiter für Prävention, Rehabilitation und Behindertenpolitik im Bundesarbeitsministerium zum Thema Beschäftigung von Behinderten fest. Um Informationsdefizite zu beseitigen, hatte das Projektteam "Wirtschaft inklusiv" des Beruflichen Fortbildungszentrums der Bayrischen Wirtschaft (Bfz) zum Arbeitgeberbrunch bei der Witt Gruppe geladen. Dabei wurde über das Thema Behindertenbeschäftigung informiert, aber auch recht kontrovers diskutiert.

Die versammelten Personalleiter und Betriebsinhaber hörten zunächst zahlreiche positive Beispiele zur Einstellung von Behinderten. So auch von Juliane Feneis, Abteilungsleiterin HR-Beratung und Service im Hause Witt. Sie berichtete zunächst über die Einstellung eines Rollstuhlfahrers als Auszubildenden im September. Dabei lobte Feneis auch die technischen und finanziellen Hilfestellungen des technischen Beraters der Arbeitsagentur Weiden und des Integrationsamtes. Sie hob die Erstellung einer Gefährdungsanalyse, die Installation einer rollstuhlgerechten Toilette und "die durchgehende Förderung in Höhe von 50 Prozent der Ausbildungsvergütung des dritten Lehrjahres" positiv hervor. "Im Rollstuhl kann man genauso gut wie auf einem Bürostuhl IT-Projekte schreiben", stellte Feneis fest. Für Januar sei die Einstellung einer gehörlosen Dame geplant, kündigte sie an.

Lob für "Wirtschaft inklusiv"

Lob gab es von der Witt-Abteilungsleiterin für das Projekt "Wirtschaft inklusiv". Mehrere arbeitgebernahe Institutionen sind Träger dieses Projekts, das vom Bundesarbeitsministerium seit Mitte 2013 in acht Bundesländern gefördert wird. "Das Projekt hat uns überzeugt", sagte Feneis. Der Satz war zugleich Steilvorlage für Wolfgang Braun, Geschäftsführer des Bfz, der mit den Mitarbeitern des Projektteams die Arbeit von "Wirtschaft inklusiv" vorstellte.

Integrationslotsen nennen sich die vier Berater dieser Einrichtung in Bayern. Sie sprechen ausschließlich Arbeitgeber an, werben für die Einstellung von Behinderten und informieren über alle bestehende Hilfestellungen. "Wir haben bisher 1129 Beratungen in Betrieben durchgeführt." Dass es manchmal schwierig sei, bei den Verantwortlichen der Betriebe vorsprechen zu dürfen, wurde auch erwähnt. Dennoch können die Integrationslotsen von zahlreichen Erfolgen berichten. So unter anderem von einem selbstständigen Mauermeister, der nur zwei Mitarbeiter und einen Auszubildenden beschäftigt, jetzt aber einen Lehrling "aus dem Autismus-Spektrum" eingestellt hat. Der Maurermeister sagte, das sei der beste Azubi, den er je hatte.

Kritik an Bürokratie

Zum Abschluss stellte Alexander Grundler, Behindertenbeauftragter der Stadt, das Tagesthema als Moderator zur Diskussion. Zunächst räumte er "Ängste und Bedenken" aus, denn "80 Prozent der Entlassungsanträge bei Behinderten werden sofort, die anderen meist später genehmigt". Kleine Betriebe sollten bei Beschäftigungsproblemen mit Behinderten den Kontakt zum Integrationsamt aufnehmen. Eventuell könne ein Minderleistungsausgleich gewährt werden. Auch die Berater von "Wirtschaft inklusiv" könnten helfen. Dass allerdings kleine Betriebe vor der "Bürokratie" zurückschrecken, befürchtete Winfried Mellar von der IHK Regensburg .
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.