Der Brite und die Geister

John Winch mit seinem Werk, einem Film über den Ort, in dem der Engländer heute lebt: "Die Geister von Haunritz". Bild: Gebhardt

Ein Engländer dreht über Haunritz. Keinen Heimatfilm, sondern einen humorvollen Streifen. Ein Jahr ist er mit der Kamera unterwegs, zwei Monate arbeitet er an seinem Werk - "und das alles für 38 Minuten Spielzeit". Denn solange dauern "Die Geister von Haunritz". Und John Winch hat schon die nächste Idee im Kopf.

John Winch (Jahrgang 1942) ist Engländer und lebte an der Südküste der Insel, in Brighton und Hastings. 1977 kam er das erste Mal nach Deutschland, zwei Wochen war er in Ansbach und Nürnberg. Ein Jahr später kehrte er zurück. Und 1979 nochmals. Dann beschloss er, für immer hier zu bleiben. In Nürnberg lernte er auch seine spätere Frau kennen. "Heuer sind wir 30 Jahre zusammen", erzählt er. Das Paar lebte in Nürnberg, wollte dann aber aufs Land - und landete in Haunritz. Das war vor vier Jahren. John Winch findet, dass es eine gute Entscheidung war, die weder er noch seine Frau bereut haben. Die Eheleute kauften sich ein Haus im Ort, John Winch, der gelernter Innenausbau-Schreiner ist, renovierte es.

"Der schönste Platz"

Von Haunritz ist der Brite sehr angetan. "Es ist der schönste und freundlichste Platz, an dem ich jemals war", schwärmt er. Dass er einen Film über den Ort drehte, war wohl eher ein Zufall, erzählt er lachend. Die Idee kam ihm im Februar 2014, als er am Heimatabend teilnahm. "Ich wollte etwas für Haunritz tun", schildert er. Doch das ließ sich erst einmal gar nicht so leicht umsetzen. Aber John Winch ist auch ein Optimist, ließ sich nicht von seinem Projekt abbringen.

Die Haunritzer wussten zwar viele schöne Geschichten, doch wann immer er mit der Kamera auftauchte, schwiegen sie oder ergriffen fast schon die Flucht. "Am Stammtisch erzählen sie dir 1000 Geschichten über Haunritz, aber vor der Kamera will dann niemand mehr was sagen", erinnert er sich an seine Bemühungen um Interviewpartner. Doch John Winch gab nicht auf. Er filmte fast das ganze Jahr - von Februar bis zum Silvesterabend - bei verschiedenen Anlässen. Er fing Feste ein und den Wechsel der Jahreszeiten. Einige Bürger überließen ihm auch alte Fotos.

Zwei Monate brauchte er nach eigenen Angaben, um den Film zusammenzustellen und mit seiner eigenen Musik zu unterlegen, schließlich wollte er damit seinen Beitrag zum Heimatabend im Februar leisten. "Ein Jahr filmen, zwei Monate daran arbeiten - und das für 38 Minuten Spielzeit", bilanziert er mit einer guten Portion Selbstironie. Sein Film ("Er ist sehr lustig geworden") bekam schließlich einen eigenen Abend, wo er im Alten Fritz präsentiert wurde. Das Wirtshaus war voll, die Leute voll des Lobes über John Winchs Werk. "Es hat ihnen sehr gut gefallen", freut er sich über den Anklang der "Geister von Haunritz".

Es scheint, als wäre John Winch auf den Geschmack gekommen. Denn das nächste Projekt hat er schon im Kopf. Es führt ihn gedanklich nach Amerika, zu einem großen Fluss, der durch acht US-Staaten fließt: der Mississippi. Den Titel für seinen neuen Film hat John Winch schon ausgewählt: "Dreaming of little Mississippi". Allerdings ist das "große Wasser", wie einst Indianer den Fluss nannten, nur der Ausgangspunkt.

Schiffsmodell gesucht

Um vom kleinen Mississippi träumen zu können, braucht John Winch aber erst einmal ein besonderes Exemplar: das Schiffsmodell eines Mississippi-Raddampfers.
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