Der Erklärer des Papstes

Vor einem Jahr besucht Papst Franziskus noch einmal das brasilianische Aparecida. Dort hatte der Argentinier im Jahr 2007, damals noch Kardinal Jorge Mario Bergoglio SJ. jene Gedanken entwickelt, die heute seine Amtsführung als Oberhaupt der katholischen Kirche prägen. Bild: dpa

Norbert Arntz ist einer der größten Fans der "Kirche des Aufbruchs" von Papst Franziskus. Das liegt nicht nur daran, dass der deutsche Theologe den Argentinier bereits in dessen Zeit als Kardinal begegnet ist.

Der "Katakombenpakt" könnte einem der zahlreichen, von Verschwörungstheorien getragenen Bücher über den Vatikan entspringen. Doch der Pakt ist für Norbert Arntz ein Schlüssel zum Verständnis der Amtsführung von Papst Franziskus. Der Argentinier stehe in der Tradition des Paktes, den die Verfechter der "Kirche der Armen" am Rande des II. Vatikanischen Konzils vor 49 Jahren geschlossen haben.

In dieser Gruppe fanden sich 40 Bischöfe aus 18 Nationen und vier Kontinenten zusammen. Am 16. November 1965 unterzeichneten sie in den Domitilla-Katakomben außerhalb von Rom eine Selbstverpflichtung: Sie versprachen "ein einfaches Leben zu führen und den Machtinsignien zu entsagen, sowie einen Pakt mit dem Armen zu schließen", erläutert Arntz. Daraus sei später die "Option für die Armen geworden". In dieser Tradition stehe auch Papst Franziskus, wenngleich er nicht am Konzil teilgenommen habe.

Begegnung mit Bergolio

"Papst Franziskus versteht das Evangelium als die Botschaft, dass eine andere Welt möglich ist", sagt Arntz im Gespräch mit unserer Zeitung. Der 1943 in Kleve geborene katholische Pfarrer kennt diesen noch als Kardinal von Buenos Aires. Arntz traf den Argentinier Jorge Mario Bergoglio SJ bei der Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe im Jahr 2007 im brasilianischen Aparecida. Der Kardinal leitete die Redaktionskommission für die Abfassung des Schlussdokumentes. Das Dokument legt nicht nur die Ziele der Kirche fest und betont dabei besonders die "Option für die Armen". Es wird von vielen auch als Rehabilitierung der von Rom geächteten Befreiungstheologie verstanden.

Für Norbert Arntz ist Aparecida aus einem anderen Grund ein persönliches Schlüsselerlebnis. Schon in seiner damaligen Predigt habe Kardinal Bergolio den globalisierten Kapitalismus kritisiert. Bereits damals habe dieser davon gesprochen, dass die Wirtschaft Menschen nicht nur ausschließe und ausgrenze, sondern sie förmlich wie "Abfall" ausspucke.

Eine Kritik, die der Argentinier als Papst Franziskus im November 2013 in seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" (Die Freude des Evangeliums) bekräftigt hat. "Es war eine Predigt, wie ich sie bis dahin noch nie von einem katholischen Kardinal oder Bischof gehört hatte", erzählt Arntz. Er habe damals Bergolio angesprochen und für die deutlichen Wort gedankt.

Nicht erst seit damals setzt sich der heute 71-jährige Pfarrer, der im Jahr 1970 in Münster die Priesterweihe empfangen hatte, leidenschaftlich für eine Kirche der Armen ein. Auch des Erleben der tiefen Gläubigkeit beim Volk der Quechua hat ihn nachhaltig geprägt. Er habe bei Karl Rahner und Josef Ratzinger studiert, aber diese Menschen hätte in wenigen Worten die Schöpfungsgeschichte besser erklären können, als jeder Theologe. "Ich bin weltkirchlich sozialisiert", sagt Arntz.

Kreis schließt sich

Für ihn schließt sich nun der Kreis, er war 16 Jahre alt, als das Konzil ausgerufen wurde. Heute, unter Papst Franziskus, werde dessen Umsetzung vollendet. Das Diskussionsverbot, im Jahr 2010 vom damaligen Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano verhängt, ist weg. Nicht nur für Norbert Anrtz, sondern für alle, die eine offene lebende Kirche wollen, ist das die beste Nachricht der Ära Franziskus.
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