Der Feind surft mit

Wer im Internet surft, hinterlässt Spuren. Und für die interessieren sich viele: Geheimdienste, Antiterrorermittler, aber auch die Wirtschaft. Wie können sich die Nutzer schützen? Fabian weiß es.

Über diese Gefahren des Internets wissen viele zu wenig. Andere sagen sich: "Ich hab' doch nix zu verbergen." Dass diese Einstellung Risiken mit sich bringt, was es zu beachten gilt und wie man sich schützt, das erläuterte Informatikstudent Fabian bei einer "Crypto-Party" im Schülercafé "Scout". Eingeladen hatte die Weiterbildungseinrichtung "Arbeit und Leben in Bayern".

"Immer, wenn wir im Internet unterwegs sind, eine E-Mail schreiben, einen Messenger benutzen - es ist an den unterschiedlichsten Knotenpunkten möglich, unsere Daten zu erfassen", betont der 27-Jährige. Sei bei einem Handy beispielsweise das WLAN aktiviert, verbinden diese sich unbemerkt mit sogenannten Hotspots. So könne ein ziemlich genaues Bewegungsprofil vom Handy-Besitzer erstellt werden.

Wirtschaftliche Interessen

Ein Grund für das massenhafte Erheben von Daten liege ganz klar in wirtschaftlichen Interessen. "Google will Geld verdienen mit der Werbung von Unternehmen. Besonders wertvoll ist gezielte Werbung", erklärt Fabian. Viele hätten sich wohl schon gewundert: Man sucht ein Produkt öfter im Internet, und auf einmal wird auf den unterschiedlichsten Seiten Werbung dafür eingeblendet. Auch Daten wie Alter, Interessen, Vermögen seien für die Wirtschaft von höchstem Interesse - Facebook oder Payback zögen ihren Nutzen daraus.

Neben der Onlinemarketing-Branche sammelten vor allem Regierungen und ihre Geheimdienste Daten über die Bürger. "Sachen wie die Vorratsdatenspeicherung sollen bei der Bekämpfung des Terrorismus und der Kriminalität helfen - was ja erst mal gut ist." Fabian bezweifelt aber, dass diese Methode besonders effektiv ist: "Eine Terrorzelle wird ihre Anschläge nicht in öffentlichen Netzen planen und besprechen. Die Bevölkerung steht unter Generalverdacht."

In Frankreich gebe es die Vorratsdatenspeicherung. Das Attentat auf "Charlie Hebdo" sei dadurch auch nicht zu verhindern gewesen. Außerdem stelle sich die Frage der Verhältnismäßigkeit zwischen Sicherheit und Privatsphäre. Die Einstellung "Ich habe ja nichts zu verbergen" hält Fabian für fatal. "Niemand weiß, wie die Gesellschaft in 20 Jahren aussieht. Außerdem geraten Daten schnell in falsche Hände."

Dem seien die Menschen aber nicht schutzlos ausgeliefert. "Macht euch bewusst, was ihr von Eurer Privatsphäre preisgebt", mahnt Fabian. Ein weiterer Weg sei die Verschlüsselung der Daten. Das sei sowohl beim Surfen, bei E-Mails als auch bei bei vielen Messengern möglich. Bei "WhatsApp"-Nutzung auf zwei Android-Geräten sei das heute schon möglich, für Iphones noch nicht. "Aber auch dann gilt: Bilder und Gruppen-Chats werden nach wie vor unverschlüsselt übertragen."

Wer im Internet surft, habe die Möglichkeit "TOR-Browser" zu verwenden. Hier würden die Informationen so lange durch ein Netzwerk an Rechnern gejagt, bis nicht mehr nachvollziehbar sei, wer die Inhalte angefordert hat. Von Facebook rät Fabian ganz ab. "Man muss es den Datensammlern nicht noch extra leicht machen. Über Konzerte und Veranstaltungen, kann ich mich auch über Twitter informieren lassen."

Seine abschließenden Tipps: "Unverschlüsselt nur solche Informationen verschicken, die ich auch auf eine Ansichtskarte schreiben würde. Statt herkömmliche Suchmaschinen Alternativen wie DuckDuckGo nutzen. Und wenn möglich Fake-Namen und -Adressen nutzen."
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