Der große Blutrausch

Hunderte von Blutspendern strömten in die Max-Reger-Halle. 452 Menschen aus der gesamten Oberpfalz wurden als "Wiederholungstäter" geehrt. Und hatten nicht nur deshalb gut lachen.

Blutspenden ist wichtig. Das sagen 94 Prozent der Bevölkerung. Doch nur 3,5 Prozent der Deutschen spenden tatsächlich Blut. Bei vielen Oberpfälzern bleibt die Blutspende jedoch kein Lippenbekenntnis. Mit einer großen Feier ehrte der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes die Freiwilligen.

"Ohne Sie wäre ich heute nicht mehr hier", bedankte sich der Botschafter des Blutspendedienstes, Felix Brunner, bei den Anwesenden. Blutspenden hatten sein Leben gerettet, als er nach einem schweren Kletterunfall 60 Mal operiert werden musste (der NT berichtete). Heute sitzt Felix Brunner im Rollstuhl, ist aktiver Wettkampf-Sportler, studiert und zeigt seine Künste als Motivationstrainer: "Jeder Mensch braucht Ziele. Für mich gibt es nur einen Weg, den Weg nach vorne." Der heute 25-Jährige überlebte nur dank 800 Blutkonserven.

41 675 Blutspenden

Eine Anzahl, die die langjährigen Oberpfälzer Spender leicht zusammenbrachten. Ganze 41 675 Blutspenden haben die geladenen Gäste zusammen abgegeben. Geehrt wurden Menschen aus allen Oberpfälzer Kreisverbänden, die 75, 100, 125, 150 oder sogar 175 Mal gespendet haben. In allen Kategorien waren auch viele Weidener vertreten. Nur die 175 schaffte ausschließlich Reinhard Gräml aus Amberg. Sein großes Ziel: "250 Spenden möchte ich schaffen."

Regierungspräsident Axel Bartelt nahm ebenfalls an der großen Gala teil und zeigte sich tief beeindruckt von der Leistung der Spender: "Ich habe unheimlichen Respekt vor diesen stillen Helden unserer Gesellschaft". Wobei manche Gäste nicht nur aus reiner Nächstenliebe zur Blutspende gehen. Anton Bauer hatte mit 18 Jahren starkes Nasenbluten. Sein Arzt empfahl ihm den Aderlass. 30 Jahre später wird er nun für die 100. Blutspende geehrt. "Und meine gesundheitlichen Probleme sind weg", erzählte der Waldmünchner.

Hermine Heimerl zählte als Frau zu der Minderheit auf der Veranstaltung. Frauen dürfen nur vier Mal statt sechs Mal im Jahr spenden. Die 49-Jährige bringt es immerhin schon auf 75 Blutkonserven. Sie stammt aus Cham. Dieser Kreisverband hat das größte Spenderaufkommen in der Oberpfalz. Das wunderte Heimerl nicht. Der Aderlass sei für viele im Ort schon eine Art Ritual. Zu einem Termin treffe sich eine Gruppe von mehr als 80 Leuten und gehe miteinander hin, erzählte sie.

"Timmi, geh mal spenden"

Für die Ehrung der vielen Spender hatte sich der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes ein besonderes Festprogramm überlegt. BR-Moderator Michael Sporer führte durch den Abend, der bayerische Kabarettist Chris Boettcher beeindruckte mit findigen Wortspielen rund um die Blutspende. Mit "Venen lügen nicht", parodierte er das bekannte Lied "Tränen lügen nicht" von Michael Holm.

Ein Gast kam sogar aus Berlin, um seine Ehrung entgegenzunehmen. Seine erste Blutspende machte Josef Binner in Weiden und zur 100. Blutspende ist er nach Weiden zurückgekommen. "Zurück zu den Wurzeln", wie der 64-Jährige sagte. Gerne erinnert sich der gebürtige Weidener an seine Jugendzeit als Faschingsprinz "Timmi I.". Mit 18 Jahren habe ihn der damalige Ehrenvorsitzende der Wasserwacht, Ottmar Hammer, zum Blutspenden gebracht mit den Worten: "Timmi, geh mal spenden". Obwohl seine Arbeit in einer großen Bank ihn durch ganz Deutschland führte und schließlich nach Berlin verschlug, komme er immer wieder gerne zurück.

Wie er hoffen auch alle anderen Gäste, dass sie noch viele Jahre Blut spenden können. Das Rote Kreuz seinerseits hofft, dass es mehr junge Erstspender werben kann. Nur so kann der Bedarf an Blutkonserven in Bayern gedeckt werden. Botschafter Felix Brunner: "Blutspenden muss sexy werden."
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