Der Kampf um Avsar

Knochenarbeit für die tschechischen Infanteristen: Mühselig und mit vielen Gefahren verbunden ist das Durchkämmen der Häuser.

Es ist siedend heiß in Enslwang. Doch momentan heißt das ehemalige Dorf Avsar, umbenannt für die internationale Großübung Allied Spirit II. Die "Smoker", wie die Unterstützungsgruppe heißt, hat eine dicke Nebelwand in das Tal gelegt. Beinahe britischer Nebel, denn oft sieht man nur noch ein paar Meter.

Man hört ferne, sporadische Panzergeräusche, sonst ist absolute Ruhe im Dorf. Nur der Wind wirbelt feinsten Hohenfelser Staub über die Straße. Doch plötzlich zersägt heftiges Maschinengewehrfeuer am Dorfrand die idyllische Ruhe. Es zeigt, dass die Koalitionstruppen, dieses Mal ausschließlich von tschechische Soldaten gestellt, gegen Avsar vorrücken. Ein Schützenpanzer von Typ BMP rollt gefechtsbereit durch die Dorfstraße, ein paar Kampfpanzer vom Typ T72 M4 folgen vorsichtig.

Sehr realitätsnah

Die Dorfbesetzer lassen sie unbehelligt vorbeiziehen, denn panzerbrechende Waffensysteme führen sie nicht mit. Dann rücken leicht gepanzerte Gruppenfahrzeuge mit aufgesessener Infanterie nach. Es kracht und scheppert. Da Maschinen- und Gewehrfeuer, dort simulierte Grantateneinschläge, die von den Schiedsrichtern, den "Observern" der US Army, sehr realitätsnah gezündet werden und das Spitzenfahrzeug ausfallen lassen. Soldaten laufen scheinbar schreiend durcheinander, doch da ist System dahinter. Die Gruppe verständigt sich mit lauten Zurufen und Handzeichen. Tschechische Infanteristen gehen gegen eine Häuserzeile an, in der sie die weggesperrte Dorfbevölkerung vermuten, um sie von den "Bösen" zu befreien.

Bedrohliche Szenerie

Auch wenn es sich um kein echtes Gefecht handelt, hat die Situation doch etwas Bedrohliches. In Enslwang haben die Schmidmühlener noch vor wenigen Wochen die Kirchweih gefeiert, jetzt ist das Dorf eine der Drehscheiben für die noch bis zum 24. August andauernde Nato-Großübung Allied Spirit II.

Drei Wochen lang üben die knapp 5000 Soldaten aus acht Nationen (Tschechien, USA, England, Kanada, Georgien, Ungarn, Italien und Serbien), den multinationalen Schulterschluss. Besonders wichtig sei es, so Captain Chris Bradley, dass die Kommunikation zwischen den Soldaten der verschiedenen Nationen funktioniere. Die Führungskräfte scheinen mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. "Unsere tschechischen Partner haben diese Übung hervorragend gemeistert", lobte Brigadegeneral Christopher C. Cavoli aus Grafenwöhr den Einsatz der 7. tschechischen mechanisierten Brigade. Er hält es für durchaus denkbar, dass schon im nächsten Jahr bei Allied Spirit IV auch ein deutsches Bataillon oder sogar eine Brigade der Bundeswehr, mit von der Partie sein könnte. Für die US-Armee sei denkbar, dass eine deutsche Brigade der Leitverband für eine der nächsten multinationalen Übungen sein wird.

Gute Bedingungen

Sichtlich angetan zeigten sich der Chef des Generalstabes der tschechischen Armee, Generalleutnant Josef Bevá, und der Chef des tschechischen Heeres, Generalmajor Jan Gurnik, von den Trainingsmöglichkeiten und den Hilfestellungen der US Army in Hohenfels ebenso wie der britische Brigadegeneral Marty Gamble nach der Gefechtsübung bei der Lagebesprechung am Rande der Dorfstraße in Enslwang.
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