Der Max-Reger-Halle Seele eingehaucht

Vor 24 Jahren hatte Gerhard Hagler genau 24 Stunden Zeit, zu überlegen. Will er die Leitung der Max-Reger-Halle übernehmen? "So etwas gab es ja vorher nicht. Ich habe mich mit meiner Frau besprochen und Ja gesagt", erzählt der Hallen-Manager. Trotz vieler langer Nächte sagt er heute: "Ich habe es nie bereut."

Weiden. (ps) Am 21. Februar wird Gerhard Hagler 64 Jahre, am 28. Februar geht er in Pension. 24 Jahre vorher - am 1. März 1991 - hat er den Dienst angetreten. "Anfangs noch als technischer Leiter." Doch bald schon wurde er zum Manager des neuen Tagungszentrums. Eine Position, die ihm ein abwechslungsreiches Berufsleben bescherte, wie sich im NT-Interview zeigt.

Die offizielle Einweihung war erst im Februar 1992. Wie kommen Sie auf 24 Jahre?

Hagler: Ich habe bereits am 1. März 1991 den Dienst in der Halle angetreten. Vorher war ich zwei Jahre lang Sicherheitsingenieur bei der Stadt und davor als ausgebildeter Maschinenbauingenieur Leiter der Bahnbusbetriebsstelle in Weiden. Die Eröffnung der Max-Reger-Halle erfolgte dann in drei Schritten.

Ist das nicht ungewöhnlich?

Hagler: Im Prinzip ja. Aber Oberbürgermeister Hans Schröpf hatte damals mit seinem Kollegen André Santini aus Issy-Les-Moulineaux eine Kiste Champagner gewettet, dass die Halle noch 1991 zur 750-Jahr-Feier eingeweiht wird. Also erfolgte die Einweihung mit dem TC-Postkeller-Kabarett am 27. Dezember 1991, auch wenn hinter den Kulissen noch Baustelle war. Die Einweihung mit Ehrengästen war am 12. Februar, das Eröffnungskonzert der Bamberger Symphoniker am 29. Februar 1992.

Seitdem hatten Sie rund 2,5 Millionen Gäste bei 10 000 Veranstaltungen in der Max-Reger-Halle. An welche Politiker oder Schauspieler erinnern Sie sich besonders?

Hagler: Bei den Politikern war es Wolfgang Schäuble, der am 29. November 1998 in Weiden war. Er saß damals schon im Rollstuhl. Der Mann strahlt eine innere Ruhe aus. Er hat Charisma. Er hat bei mir am Besuchertisch gefrühstückt, weil er vor dem Parteitag unbedingt noch etwas zu sich nehmen wollte.

Und bei den Schauspielern?

Hagler: Senta Berger. Auch sie hat Charisma. Und ich habe ihr Auto betankt. Sie wollte nach einer Weihnachtslesung 1997 noch zurück nach München und hat durch die Blume gefragt, ob ich das Tanken nicht übernehmen könnte. Ich habe mich gerne bereiterklärt. Bei uns waren Erni Singerl, Horst Steiner, Dieter Hildebrandt, die sind schon alle tot. Dieter Hildebrandt steht übrigens als erster in meinem Gästebuch, das ich 1997 angefangen habe.

Gibt es ein Lieblingskonzert?

Hagler: Ich bin sehr stolz, dass ich Reinhard Mey nach Weiden bekommen habe. Ich bin ein Fan von ihm und habe deshalb seine Agentur ausfindig gemacht. Damals - 1998 - ging der eigentlich nicht in so kleine Hallen. Aber dann hat er drei kleinere Hallen für die Vorpremiere ausgesucht: Weiden war dabei! Das Konzert war in einer halben Stunde ausverkauft.

Sie hatten die Idee zum "Fest im Park", das bei den Bürgern voll eingeschlagen hat. Die Stadt hat sich inzwischen als Mitveranstalter zurückgezogen. Bedauern Sie das?

Hagler: Nein. Es geht ja weiter. Meines Wissens auch 2015 - und dann werde ich als Gast dabei sein.

Zusammen mit "Regi"-Chefin Sabine Guhl und Kulturamtsleiterin Petra Vorsatz managen Sie die Kulturbühne. Wie sehen Sie deren Zukunft angesichts der Sparpläne?

Hagler: Die ersten Verträge für die Saison 2015/2016 sind bereits unterschrieben, die entsprechenden Gelder sind in den Haushalt eingestellt. Diese Saison ist auf jeden Fall gesichert. Wie es dann weitergeht, weiß ich nicht.

Angesichts des Defizits von einer Million Euro planen die Stadträte die Umwandlung der Max-Reger-Halle in ein Kommunalunternehmen. Wie stehen Sie dazu?

Hagler: Die Grundidee beim Bau war: eine Halle von den Bürgern für die Bürger. Vereine, Firmen und andere Institutionen aus Weiden und Umgebung sollten einen Ort für ihre Veranstaltungen haben. Diesen Gedanken habe ich 24 Jahre lang umgesetzt. Jetzt gibt es neue Ideen...

Meiner Ansicht nach darf man aber nicht nur das Defizit sehen. Viele Veranstaltungen locken ja auch Gäste von auswärts nach Weiden. Die lassen Geld zurück bei der Hotellerie, bei der Gastronomie und der eine oder andere kauft vielleicht auch ein Geschenk. Alle Hallenleiter, die ich aus dem Europäischen Verband für Veranstaltungszentren kenne, sagen: Es gibt keine Halle, die für sich schwarze Zahlen schreibt - höchstens in Verbindung mit Parkdecks oder Gastronomie.

Neben rund 70 kulturellen Veranstaltungen im Jahr zählen Sie etwa 450 Workshops, Seminare, Tagungen und Kongresse in der Halle. Was ist Ihnen da noch am besten in Erinnerung?

Hagler: Besonders stolz bin ich auf den Katastrophenschutzkongress, der im April zum neunten Mal in Weiden stattfindet. Die Veranstalter waren von Anfang an von der Max-Reger-Halle so angetan, dass sie jeden Kongress hier abhalten. Das gefällt mir unheimlich, weil es zeigt, dass sich die Leute hier wohlfühlen, dass unsere Kunden zufrieden sind.

Das erfordert natürlich auch Einsatz. Für einen Bayerischen Ärztetag musste ich einmal innerhalb von 24 Stunden 105 Papierkörbe besorgen. Darin landeten die Tischvorlagen, die nicht durchgingen.

Mit OB Kurt Seggewiß, Ihrer Chefin Cornelia Taubmann und Ihren Mitarbeitern haben Sie bereits Abschied gefeiert.

Hagler: Ja. Und eines ist klar: Ohne meine Kollegen und Mitarbeiter könnte ich hier gar nichts auf die Beine stellen. Ich habe ein hervorragendes Team. Drei davon sind sogar von Anfang an dabei: Die Garderobiere Katrin Harig, die Verwaltungskraft Rita Hartwich und der Techniker Oliver Fienz.

Steht Ihr Nachfolger bereits fest?

Hagler: Dazu kann ich nichts sagen.

Sie werden im Ruhestand sicher nicht die Hände in den Schoß legen und gar nichts mehr tun.

Hagler: Nein, ich habe mir einiges vorgenommen. Endlich werde ich mich meiner Frau und meinen vier Enkeln mehr widmen können als bisher. Außerdem habe ich eine Kiesgrube gepachtet, weil ich jetzt mehr Zeit zum Angeln habe. Und ich habe mir einen großen Koi-Teich zugelegt, den ich nach und nach besiedeln werde. (Gerhard Hagler ist im Sternzeichen Fisch geboren; Anmerkung der Redaktion)

Was war für Sie das größte Kompliment?

Hagler: Vor Kurzem hat mich ein Brief von Inge Schröpf erreicht. Darin schreibt sie: Mein Mann hat damals als Oberbürgermeister die Max-Reger-Halle bauen lassen, und Sie haben ihr Seele eingehaucht. Ich glaube, das trifft ein bisschen zu.
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