"Der Mindestlohn war kein Jobkiller": CSU-Bundespolitiker pflichtet KAB-Kreisverband im ...
Albert Rupprecht gibt Irrtum zu

Was CSU-Abgeordneter Albert Rupprecht (Bildmitte) bei den Vertretern der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung zu sagen hatte, gefiel: Der einstige Ablehner des Mindestlohns verkehrt sich zum Befürworter. Bild: uz
Albert Rupprecht hat die Größe, Fehler einzugestehen. Drei große Themen standen auf der Tagesordnung: Flüchtlingspolitik, Griechenland und Mindestlohn. Beim letzten Punkt habe er mit seiner ursprünglichen Einschätzung völlig danebengelegen, räumte der CSU-Politiker ein: "Der Mindestlohn war kein Job-Killer."

"Durch die Gespräche mit euch habe ich dazugelernt. Ich habe mich getäuscht." Das sagte Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht bei seinem Besuch beim KAB-Kreisverband in der Gaststätte "Iblacker". Noch vor fünf Jahren sei er tiefster Überzeugung gewesen, dass mit der Einführung eines Mindestlohns in Deutschland Arbeitsplätze vernichtet würden. "Erste Untersuchungen haben ergeben, dass sich das zum Glück nicht bewahrheitet hat." Im Augenblick sei ja auch die Beschäftigungssituation sehr gut.

"Seid fleißig"

Früher habe er die Meinung vertreten, dass es eine Aufstockung der Löhne durch die öffentliche Hand die bessere Alternative sei. "Das hat nicht funktioniert, weil einige Arbeitgeber dieses System schamlos ausgenutzt haben." Damit gab Rupprecht den KAB-Funktionären um die Kreisvorsitzenden Hermann Stadler und Daniela Ernstberger recht, die sich für die Einführung eines Mindestlohns stark gemacht hatten.

In Sachen Flüchtlingskrise bediente sich Rupprecht der Grundwerte seines Elternhauses: "Seid fleißig, strengt euch an, baut euch was auf. Wenn aber einer in Not gerät, helft ihm." So sollte man auch an die Flüchtlingsfrage herangehen. Er zolle jedem Respekt, der versuche, seinem Kind ein besseres Leben zu bieten. Egal ob aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen.

Realitäten erkennen

"Ich verurteile keinen einzigen, der sich aus moralischen Gründen auf den Weg zu uns macht." Rupprecht zog Vergleiche mit den Leuten, die damals aus dem Bayerischen Wald nach Amerika ausgewandert seien, um dort ein besseres Leben zu finden. "Aber natürlich muss man auch sehen, dass es hier nicht wie bei Pippi Langstrumpf ist, die sich ihre eigene Welt zurecht bastelt." Nur wer die Welt realistisch sehe, könne sie ein Stück weit zum Besseren verändern. "Ich muss die Zusammenhänge erst mal verstehen lernen. Wer sich in ein Auto setzt und nicht weiß, wie es funktioniert, kann es nicht fahren." Wer sich über die Realitäten hinwegsetze, der merke bald, dass es irgendwann mal schwierig werde. "Wenn sich die Lage, wie sie sich uns in den letzten drei Wochen darstellte, ungehindert weiterentwickeln würde, dann weiß ich, dass die Bevölkerung dies ab einem gewissen Punkt nicht mehr mittragen würde."

"Wer nach Deutschland kommt, muss anständig behandelt werden. Die Kraft müssen wir aufbringen. Wo es klar ist, dass sie bei uns bleiben können, ist Integration so effektiv wie möglich zu unterstützen. Leute, die wahrscheinlich keinen Asylanspruch haben, die müssen zentral untergebracht, gar nicht erst verteilt und ihre Anträge beschleunigt bearbeitet werden."

Dass er schon drei Mal gegen das Griechenlandpaket gestimmt und sich damit keine Freunde an der Unionsspitze gemacht habe, sei ja bekannt. "Meine Unabhängigkeit und mein Gewissen sind mir wichtiger als ein Posten im Kabinett."
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.