"Der Omid schafft das schon"

Manfred Wichmann, Berufsschullehrer. Bilder: Porsche (2)

"Warum nicht aus dem Vollen schöpfen, wenn die jungen Leute da sind, motiviert und geeignet?" fragt Josef Häusler. Der Kfz-Meister aus Luhe-Wildenau macht ernst: Omid Ibrahimi (20) aus Afghanistan wird bei ihm ab September eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker beginnen.

Weiden. (ps) "Das Problem ist offensichtlich", meint der Firmenchef aus Oberwildenau. "Es herrscht Fachkräftemangel, gerade im Handwerk." Ein Notstand, den er auch bei der Sendung "Jetzt red i" Anfang Mai in Weiden aufs Tapet gebracht hat, zusammen mit dem Wunsch, dass die jungen Asylbewerber auch als Gesellen mindestens noch zwei Jahre vor Abschiebung sicher sind. "Innenstaatssekretär Gerhard Eck hat das in der Sendung eigentlich zugesagt", meint Häusler. Eck sprach bei geduldeten Flüchtlingen allerdings davon, "individuelle Lösungen" mit den Ausländerbehörden zu finden. Omid ist "geduldet" - und inzwischen fünf Jahre in Deutschland.

Der Spind steht bereit

Der junge Mann sitzt neben seinem Chef. Er strahlt. "Ich freue mich sehr, dass ich einen Ausbildungsplatz habe", sagt er in gutem Deutsch. Adrett gekleidet ist er zu dem Gespräch mit dem "Neuen Tag" erschienen. Zieht sich erst um, als es ums Foto geht. Er hat schon einen eigenen Spind, eine eigene Arbeitshose bei Auto-Häusler. "Ich habe hier einen sehr netten Chef und nette Kollegen", sagt Omid. Das sind keine Vorschusslorbeeren. Der 20-Jährige hat im Mai/Juni 2 Wochen Praktikum bei Auto-Häusler gemacht.

"Das hat super gut funktioniert", berichtet Josef Häusler. In der Firma herrscht ein harmonisches, lockeres Betriebsklima. Dazu gehört in der Regel die gemeinsame Mittagspause. "Omid hat sich gleich eingeordnet, nicht abgesondert. Er hat bei allem mitgemacht." Dass sich die Noten des jungen Mannes - 4 Einser, 1 Zweier im Mittelschul-Abschluss - sehen lassen können, ist für den Chef zwar nicht ganz uninteressant. "Grundsätzlich achte ich aber auf das Urteil meiner Leute. Und meine Meister waren von Omid begeistert. Er hat sich wirklich angestrengt."

Als sehr motiviert ist der junge Afghane auch Manfred Wichmann gleich aufgefallen. Der Berufsschullehrer hatte den jungen Mann zwei Jahre lang in seiner Klasse. "Omid gab von Anfang an Gas", erinnert er sich. "Er ist ein Musterschüler." Dabei hatte der Afghane sicher den Vorteil, dass er - im Gegensatz zu den meisten Klassenkameraden - schon länger in Deutschland war und die Sprache besser beherrscht.

Vor fünf Jahren flüchtete er mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder aus Herat (Afghanistan). Ein halbes Jahr lang war die Familie zu Fuß, mit Auto, Bus, Boot und - für die letzte Etappe von Athen nach München - mit dem Flugzeug unterwegs, bis sie in Deutschland ankam. Drei Jahre lebte die Familie in Tirschenreuth, wo Omid bereits die Mittelschule besuchte. Die kleine Schwester kam zur Welt. Es folgte der Umzug nach Altenstadt und für Omid der zweijährige Besuch der Asylbewerberklasse, die er im Juli so hervorragend abschloss. Auf die Anerkennung als Asylberechtigte warten die Familienmitglieder nach fünf Jahren noch immer. Josef Häusler schüttelt den Kopf: "Das ist nicht nachvollziehbar."

Für Omid bedeutet das, er wird jetzt erst einmal eine betriebliche Einstiegsqualifizierung (EQJ) absolvieren. Wenn alles gut läuft, wird dies als erstes Lehrjahr anerkannt und Omid kann ohne Zeitverlust ins zweite Lehrjahr wechseln. Für Manfred Wichmann keine Frage: "Der Omid schafft das schon."

Eine Chance für den Vater?

Und wer weiß: Vielleicht gibt es in Oberwildenau ja bald noch ein Happy End. Josef Häusler jedenfalls ist guten Willens. "Den bringst a mal mit. Das mein' ich ernst", sagt er spontan zu Omid, als er erfährt, dass dessen Vater Karosseriebauer ist und eine Arbeit sucht. "So einer fehlt mir noch. Da gibt's fast keine gelernten Kräfte mehr." Warum nicht aus dem Vollen schöpfen?
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