Diabetiker-Bund stellt neues Messgerät vor - Patienten müssen Kosten selbst tragen
Schluss mit Fingerstechen?

Karl-Heinz Stupka (links) von der Diabetiker Selbsthilfegruppe-Weiden setzt Hoffnung in ein neues Messgerät. Wie es genau funktioniert, erläuterte Holger Hauer, Repräsentant des Herstellers. Bild: sbü

Diabetiker können Hoffnung schöpfen, denn ihre Lebensqualität dürfte sich bald deutlich verbessern. Das glaubt jedenfalls der Diabetiker-Bund Bayern: Er stellte im Weidener Rotkreuzhaus jetzt eine medizintechnische Neuentwicklung vor. Karl-Heinz Stupka vom Diabetiker-Regionalverband Oberpfalz Nord sprach dabei gar von einer "technischen Revolution".

Gemeint ist ein neues Blutzucker-Messgerät des Unternehmens "Abbott Diabetes Care". Es ermittelt Gluckose-Werte ohne Blut und ohne das lästige Fingerstechen. Die Nachfrage nach dem Gerät namens "FreeStyle Libre" ist so groß, dass die Besteller mit mindestens zweimonatigen Lieferfristen rechnen müssen. Was sich für den Produzenten voraussichtlich zum Kassenschlager entwickelt, dürfte für die Krankenkassen im umgekehrten Sinne eher Löcher in deren Kassen schlagen. Jedenfalls lehnen die meisten eine Kostenübernahme derzeit ab.

Wechsel alle zwei Wochen

Holger Hauer, Repräsentant des Herstellers, erläuterte in Vortrag die Einzelheiten des Blutzucker-Scanners: Ein am Oberarm angebrachter Sensor in der Größe einer Zwei-Euro-Münze misst und speichert im Minutentakt die Zuckerwerte. Ein Lesegerät in der Größe eines kleinen Handys scannt die gemessenen Werte und zeigt sie für die jeweils letzten 8 Stunden an. Ein Trendpfeil am Display des Lesegeräts gibt Auskunft, in welche Richtung sich der Glukosewert bewegt. "Der Sensor hält 14 Tage", erläuterte Hauer seinen Zuhörern. "Dann müssen Sie einen neuen setzten." Der Sensor werde mit einem nur einmal zu verwendendem sogenannten Applikator gesetzt. Dagegen könne der Scanner auf Dauer verwendet werden. Anders als die bekannten Teststreifen, für die Blutentnahme erforderlich ist, misst der Scanner Gewebeflüssigkeit unter dem Sensor.

"Ein Faden aus Teflon wird beim Setzen des Sensors durch eine Nadel unter die Haut gebracht", erläuterte Hauer das Verfahren. Der Vorgang verlaufe weitgehend schmerzfrei. Dieser Faden messe dann den Blutzuckerwert in der Gewebeflüssigkeit. Hauer stellte auch eine Studie vor, die nachweise, "dass der Sensor genau misst". Die durchschnittliche Abweichung zur Labormessung des Blutes liege bei 11,4 Prozent und damit "besser als manches herkömmliche Blutzucker-Messgerät".

40 Grad zu heiß

Bei Temperaturen über 40 Grad Celsius schalte der Sensor automatisch ab. Sinke die Temperatur wieder, setze die Messung erneut ein. Hauer berichtete auch, dass alle Messwerte der vorangegangenen 90 Tage auf dem Scanner gespeichert blieben. Mit einer Software des Herstellers könnten sie dann auch auf dem PC gespeichert und ausgewertet werden. Hauer: "Dies ist die gleiche Software, die auch ihr behandelnder Arzt verwendet."
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