Dicke Luft

Der Rechtsstreit um den Abluftkamin des "Edelweiß" geht in die nächste Runde: Richterin Brigitta Biebl überlegt, einen Gutachter einzuschalten, der feststellen soll, ob eine alternative Lösung im Haus möglich ist. Ihre Entscheidung verkündet sie am 26. November. Bild: Götz

Dicke Luft herrscht im Altstadthaus Unterer Markt 37/39. Oben wohnt Miteigentümer Harald Rippl. Im Erdgeschoss und ersten Stock hat Dr. Günther Sturm seine Räume an das Restaurant "Edelweiß" verpachtet. Seit einem Jahr streiten die beiden wegen eines Abluftrohrs.

Um ein ziemlich imposantes Abluftrohr, das von der Küche etwa sieben Meter hoch in die Gasse Hinter der Mauer ragt. Rippl klagt gegen Sturm auf Rückbau. Sein Anwalt Dr. Burkhard Schulze argumentiert, dass es sich um bauliche Maßnahme handele, die Rippl als Miteigentümer erheblich beeinträchtigt.

Am Mittwoch trafen sich die Partien zum dritten (und nicht letzten) Termin in dieser Sache vor Richterin Brigitta Biebl. Die Juristin entwickelt sich zur Fachfrau für die Belüftung von Altstadt-Gastroküchen. Denn das ist tatsächlich ein Problem in den denkmalgeschützten Häusern: Wie kommt der Dampf aus den Küchen, aus den Gassen hinaus an die Luft?

Das "Edelweiß" machte sich nach seiner Eröffnung schnell einen Namen für gute Küche. Ebenso schnell merkte das Küchenpersonal, dass die Lüftung nicht funktioniert. Ein Ingenieur für Gebäudetechnik wusste, warum: Die vier Fettfangfilter der Dunstabzugshaube bräuchten pro Stunde 2400 Kubikmeter Abluftmenge. Ventilator und Rohr waren aber nur auf 1200 ausgelegt. Das reiche vielleicht für einen Privathaushalt. Im Gastrobereich - das "Edelweiß" ist als Kleinküche genehmigt - niemals. "Da ist das einfach zu wenig." Für einen größeren Ventilator und ein breiteres Rohr war kein Platz.

Was tun? "Wir haben versucht, einen Weg für die Abluftführung durchs Haus zu finden", erklärte der Ingenieur. Die alten Wände seien gebogen, verjüngen sich nach oben. Manche sind neu. Vollständige Pläne? Fehlanzeige. "Wir haben keinen Schacht gefunden, der senkrecht nach oben führt." Kommen aber Kurven ins Spiel, braucht der Kaminkehrer alle drei Meter einen Revisionsschacht. Ohnehin fürchtet der Ingenieur ein "brandschutzrechtliches Fiasko": "Fett brennt bekanntlich." Für ihn blieb als einzige Lösung der Außenkamin. Die Genehmigung nach einem Ortstermin mit den Denkmalschützern der Stadt erfolgte unerwartet reibungslos: "Auch die haben gesehen: Wir kommen nicht durch."

"Geschockt"

Miteigentümer Rippl war im Januar 2013 dabei, als die Verlegung der Küche ins Obergeschoss andiskutiert wurde. Vom Außenkamin war da noch nicht die Rede. Er war "geschockt", als im Sommer plötzlich das Neun-Meter-Rohr aus dem Haus ragte. Rippl mailte Fotos an den Denkmalpfleger des Landesamts: "Würden Sie das so genehmigen?" Die Antwort: "Nein. Das Abluftrohr ist wesentlich breiter als erwartet."

Der Anwalt des Beklagten wollte diesen E-Mail-Verkehr nicht gelten lassen: Bei dem verzinkten Rohr (Innendurchmesser 350 Millimeter) habe damals noch die Dämmung und Kupferummantelung gefehlt. Rippl trocken: "Ja, aber dadurch wurde es nur noch dicker."

Ihm fehlt bei der ganzen Entscheidungsfindung "ein Architekt, der das Ganze sieht". "Der Ingenieur sieht das Problem natürlich durch seine Brille, da ist ein Außenkamin die einfachste Lösung." Die Häuser liegen im Sanierungsgebiet: Es handelt sich bei den Anwesen um ein Einzel-Denkmal, das besonderen Schutz genießt. Rippl will nicht glauben, dass es keine Alternative gäbe: "Es gibt zahlreiche Lokale in Altstadthäusern mit einer Innenführung der Abluft." Mit einem Bestandsaufmaß hätte man das Haus vermessen können.

Eventuell Gutachter nötig

Brigitta Biebl will ihre Entscheidung am 26. November, 8.25 Uhr, verkünden. Die Richterin: "Die nächste Überlegung ist, ob ein Sachverständigengutachten nötig ist."
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