Die Farbe Blau dominiert

Das deutsch-amerikanisch-englische Quartett "Echoes of Swing" faszinierte im Weidener Bistrot Paris durch präzises Zusammenspiel und trockenen britischen Humor. Bild: Reitz

"Echoes of Swing", dieses Vierergespann in der wohl einmaligen Besetzung mit zwei Bläsern, Klavier und Schlagzeug, existiert seit 17 Jahren in unveränderter Form und erfährt gegenwärtig einen Karriereschub.

Seit die Band bei der renommierten Plattenfirma ACT ein spektakuläres Album innerhalb der Reihe "Good Time Jazz" veröffentlicht hat, geht es aufwärts. Zahlreiche Preise dekorieren das Ensemble, unter anderem der "Preis der Deutschen Schallplattenkritik" und der "Prix de l'Académie du Jazz, Paris", unlängst zierte es sogar die Titelseite der Zeitschrift "Jazz Podium".

Ohne Grenzen

Nach elf Jahren war ddie Formation mit dem ausgeprägten Gruppenklang wieder einmal Gast beim Jazz-Zirkel-Weiden und präsentierte ein Programm, bei dem die Farbe Blau dominierte. Dabei spannte sich der Bogen von Fats Wallers "Wild Cat Blues" über Ohrwürmer wie "Blue Moon" und "Azzurro" bis zu Eigenkompositionen - ein Potpourri ohne stilistische Grenzen, zusammengehalten durch den dichten Gesamtsound und die Zwischenansagen mit britisch unterkühltem Humor. Natürlich werden die Vorlagen nicht im Stile einer werkgetreuen Interpretation nachgespielt, sondern kreativ umgesetzt. Da werden Elemente des Bebop eingebaut, gewagte Stimmführungen im Sinne des Westcoast Jazz funktionieren hervorragend mit rollenden Bass-Riffs der Stridepianisten aus den Kindertagen des Jazz. Bernd Lhotzky am Piano und Oliver Mewes am Schlagzeug sorgen für den unverkennbaren Sound. Lhotzky zählt zu den herausragenden Stride-Pianisten unserer Tage und beherrscht die Techniken eines James P. Johnson, Fats Waller, Earl Hines aus dem ff.

Sein quirliges und betont rhythmisches Spiel fesselt von ersten bis zum letzten Ton. Oliver Mewes agiert vor allem Gruppen-dienlich, überzeugt aber auch durch kurze Zwischenspiele und hervorragende Beckenarbeit. Altsaxofonist Chris Hopkins und Trompeter Colin T. Dawson beherrschen ihre Instrumente souverän und bringen mit ihren launigen Ansagen das Publikum in Stimmung. Sie arrangieren ihre Einsätze geschickt und zeigen in den meist nur kurzen Improvisationen die unterschiedlichsten Einflüsse.

Gelegentlich greift Dawson auch zum Gesangsmikrofon und weckt bei "Blue Prelude" Erinnerungen an Peggy Lee oder er haucht bei Billie Holidays "Don't Explain" in Stil von Chet Baker ins Mikrofon.

Natürlich gibt es im Konzertprogramm nicht ausschließlich Titel aus der neuen CD. Bei Clark Terrys selten gehörter Nummer "I don't wanna be kissed" greift Dawson tief in die Trickkiste und erzeugt mit den unterschiedlichsten Dämpfern und Growl-Effekten brodelnde Harlem-Atmosphäre. Chris Hopkins kreiert im Duo mit Bernd Lhotzky bei "You go to my head" eine seelenvolle Balladenstimmung, die unter die Haut geht. Johnny Hodges lässt grüßen!

Pianisten von Weltrang

Zum Schuss gibt es noch einen Jump-Blues in Stile von Louis Jordan und Oliver Mewes bekommt Platz für ein längeres Schlagzeugsolo. Die Zugabe "Ain't misbehavin'" führt erneut zu einem Höhepunkt: Bernd Lhotzky und Chris Hopkins liefern sich ein vierhändiges Duell am Klavier und erinnern daran, das Chris Hopkins auch als Pianist zur Weltklasse zählt. Erst nach einigen weiteren Zugaben lässt ein begeistertes Publikum die Musiker von der Bühne. "Auf Wiedersehen in zehn Jahren!", so verabschiedet sich Chris Hopkins scherzhaft von seinen Fans.

Der ungewohnte Termin am Sonntagnachmittag zeigte allerdings nicht den gewünschten Erfolg. Jüngere Konzertbesucher waren auch diesmal kaum auszumachen!
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