Die Geschichte einer Ruine

Seit 1992 steht das Haus in der Rehbühlstraße 50 leer. Jetzt könnte Schwung in die Sache kommen. Die Erbengemeinschaft hat das Objekt mitsamt eines rückwärtigen Grundstücks kürzlich verkauft. Der neue Eigentümer, die Fides Wohnungsbaugenossenschaft, plant die Bebauung mit einer kleinen Wohnanlage. Bild: Hartl

Noch immer stehen die Ruinen des "Rocky-Docky-Hauses", dem die Brandstiftung im Dezember 2014 den Rest gegeben hat. Die Zuhörer im Prozess am Dienstag bekamen ein wenig Einblick in die Geschichte des Hauses. Ein 61-jähriger Physiker aus Weiden, Miteigentümer aus der Erbengemeinschaft, war als Zeuge geladen.

Weiden. (ca) Nach dem Tod der Mutter habe sein Vater allein im Haus gelebt, berichtete der etwas scheu wirkende Wissenschaftler aus Weiden. 1992 habe der Vater einen Schlaganfall erlitten. Ab diesem Zeitpunkt war das Haus unbewohnt, blieb aber mit Rücksicht auf die Eigenheiten des alten Herrn unberührt. "Das Haus blieb in dem Zustand, wie er es verlassen hat." Komplett eingerichtet. Das ging einige Jahre gut. "Dann gingen die Einbrüche los." Alles, was als Flohmarktartikel brauchbar gewesen sei, sei herausgenommen worden. "Das Haus wurde geplündert."

Pläne nie umgesetzt

Die Erbengemeinschaft hatte vor einigen Jahren einen Weidener Architekten beauftragt, eine Bebauung zu planen. Auf alle Fälle sollte der hintere Teil des Grundstücks bebaut werden. Für den vorderen Teil mit dem Haus blieben zwei Alternativen offen: Abriss oder Instandsetzung für einen Liebhaber.

In einem Beweissicherungsverfahren nach dem Brand wurde von einer Anwaltskanzlei aus Ingolstadt - wo eine Schwester aus der Eigentümergemeinschaft wohnt - ein Wert von 30 000 Euro taxiert. Der Physiker schätzte ihn gar auf 50 000 Euro: Das Haus von 1928 sei "ausgesprochen solide" gebaut worden. "Da bestanden keine Schäden, die mehr verlangt hätten als eine Renovierung."

Schadenersatz abgetreten

Inzwischen hat sich der Schadenersatz für die Erben erledigt: Das Grundstück ist jetzt verkauft, etwaige Schadenersatzansprüche haben die Erben für etwa 12 000 Euro an den Käufer abgetreten. Der Verkauf sollte nicht verzögert werden: "Der neue Eigentümer wollte so schnell wie möglich bauen", erklärt der 61-Jährige, "aus irgendwelchen Gründen will er das jetzt nicht mehr."

Nach NT-Recherchen hat die Fides Wohnungsbaugesellschaft aus Weiden das Areal gekauft. Geplant war der Abriss und der Neubau einer kleinen Wohnanlage auf den beiden Grundstücken mit nur wenigen Einheiten und nicht höher als der jetzige Bau. Das Projekt verzögert sich, weil 2015 beide Geschäftsführer überraschend verstorben sind.

Fragen der Verteidiger, warum die Erben das Haus ab 1992 dem Verfall preisgaben und den Verkauf nicht schon früher vorantrieben, unterbricht der Richter: "Das tut hier nichts zur Sache." Der Physiker antwortet trotzdem teilweise: Der Vater habe bis 1997 gelebt, ein Verkauf sei da undenkbar gewesen. "Das wäre eine Riesenaufregung für ihn gewesen." Um die Jahrtausendwende sei er dann selbst schwer erkrankt, später war der Immobilienmarkt nicht gut. Ja, räumt der Zeuge ein, "alle paar Monate" hätten sich Anwohner beschwert: "Das können Sie ja in der Zeitung nachlesen." Zuletzt gab es nicht einmal mehr eine Brandversicherung. Er habe die Prämien schon seit vielen Jahren nicht mehr bezahlt.

Zu welchem Preis das Areal an den neuen Käufer ging, blieb ungeklärt. Der Staatsanwalt erwies sich jedoch als Kenner des Weidener Immobilienmarktes: "Der Kaufpreis dürfte sich nicht verändert haben, ob mit oder ohne Brand. Es dürfte eher um das Grundstück in der Lage gegangen sein."
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