Die Helden von der Müllabfuhr

Nur der Fahrer und der Beifahrer eines städtischen Müllfahrzeugs kamen der Verkäuferin zu Hilfe, als sie versuchte, einen Ladendieb festzuhalten. Nun trafen sich alle vor Gericht wieder.

Die Verkäuferin hing am Gepäckträger des Ladendiebs. Eine Horde junger und älterer Männer stand in der Nähe, feixte und filmte mit dem Handy. Geholfen hat keiner. Dies habe ihn am meisten bei dem ganzen Vorfall aufgeregt, berichtet der 58-jährige Teamleiter des Mülltrupps am Donnerstag in der Verhandlung vor dem Schöffengericht.

Ein 47-Jähriger war Mitte Juli im Rewe-Markt in der Frauenrichter Straße von der Einzelhandelskauffrau beobachtet worden, wie er an einer unbesetzten Kasse eine Thermo-Tragetasche entnommen und darin diverse Lebensmittel eingepackt hatte. Als der Mann das Geschäft verließ, ohne seine Waren zu bezahlen, verfolgte die 46-Jährige ihn. Als er auf seinem Fahrrad flüchten wollte, kamen beide zu Fall. Der kräftige Mann rappelte sich wieder auf und versuchte erneut davonzufahren. Als die Verkäuferin ihn am Gepäckträger festhielt, schlug er mit der Faust nach ihr, traf aber nicht.

Jetzt eilten die Männer aus dem Müllfahrzeug zu Hilfe. Auch nach ihnen schlug und trat der Mann. Es gelang ihnen jedoch, ihn bis zum Eintreffen der Polizei zu bändigen. "Noch nie habe ich jemanden so aggressiv erlebt", berichtete einer der beiden Helfer vor dem Schöffengericht. Er hatte sich bei dem Vorfall eine blutige Lippe zugezogen. Die Angestellte hatte Prellungen, Hämatome und Abschürfungen erlitten.

Bewährungsstrafe

Vor Amtsgerichtsdirektor Gerhard Heindl gestand der Arbeitslose die Tat. Er entschuldigte sich bei den Geschädigten. Er sei "voll besoffen" gewesen. Tatsächlich hatte eine Blutprobe knapp zwei Stunden nach der Tat 2,1 Promille ergeben. Das Bundeszentralregister enthielt keinen Eintrag. Staatsanwalt Rene Doppelbauer hielt dem Mann sein umfassendes Geständnis zugute. Auch sei der Wert der gestohlenen Lebensmittel mit gut 25 Euro relativ gering gewesen. Doppelbauer plädierte wegen räuberischen Diebstahls und Körperverletzung in zwei Fällen auf eineinhalb Jahre, die zur Bewährung ausgesetzt werden können. Verteidigerin Birgit Sieger (Düsseldorf) bat, die hohe Alkoholisierung mildernd zu berücksichtigen.

Richter Heindl und die Schöffen folgten dem Antrag des Anklagevertreters. Zusätzlich muss der Verurteilte als Bewährungsauflage 120 gemeinnützige Stunden ableisten.
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