Die letzten Fragen des Lebens

In unserer Gesellschaft gibt es die hohe Kunst der Verdrängung von Tod und Krankheit.

Sie ist eine der größten Bürgerinitiativen: Knapp 100 000 Menschen engagieren sich bundesweit in der Hospizbewegung. Im Raum Weiden-Neustadt nehmen sich die Malteser der Begleitung von Sterbenden an. 60 Ehrenamtliche betreuen jährlich rund 120 Menschen in ihrer letzten Lebensphase.

Weiden. (cf) In der Nachfolge von Ilse und Heribert Stock leitet der gebürtige Weidener Rüdiger Erling (40) den ambulanten Hospizberatungsdienst der Malteser. Mit Erling sprach Clemens Fütterer.

Sie haben Ihr Philosophie-Studium mit dem Master abgeschlossen. Spielen philosophische Fragen am Sterbebett eine Rolle?

Erling: Nur in gewissem Maß - etwa beim Thema "Was löst der Tod bei mir aus?". Viel wichtiger sind in der letzten Lebensphase praktische Fragen: "Was ist jetzt noch wichtig, und was ist noch zu klären? Wie sieht meine Lebensbilanz aus?"

Wie kommen die Sterbenden zu einer Begleitung durch den ambulanten Hospizberatungsdienst?

Erling : Oftmals beginnen die Begleitungen zu Hause und enden im Krankenhaus. In mehr als 50 Prozent der Fälle kommen die Altenheime auf uns zu.

Es geht um Schwerstkranke vom mittleren Lebensalter an; darunter sind zahlreiche Krebspatienten, bei denen der Eintritt in die letzte Lebensphase absehbar ist. In einem einzigen Fall erfolgte die Begleitung über fünfeinhalb Jahre. Das sind die wirklich schönen Geschichten. Häufig geht das Leben der Schwerstkranken aber relativ schnell zu Ende.

Wie unterlegen Sie den Begriff Begleitung in der Praxis?

Erling: Die Sterbenden werden bewusst nicht durch Fachleute, sondern durch Fach-Laien getragen. Sonst besteht vielleicht die Gefahr, den Menschen zu übersehen. Die Ehrenamtlichen nehmen sich des Umgangs mit Ängsten an; im Mittelpunkt stehen auch die Kommunikation, das Zuhören, Verständnis.

Die Ersteinschätzung erfolgt allerdings durch Hauptamtliche, also durch mich und meine Kollegin Elisabeth Schug. Dann strukturieren wir nach dem Bedarf die Betreuung. Sie kann 15 bis 20 Stunden am Stück erfolgen oder nur einmal wöchentlich für zwei bis drei Stunden. Es wird für den Sterbenden absolut verlässlich immer ein ehrenamtlicher Helfer zugeordnet.

Werden die 60 ehrenamtlichen Mitarbeiter geschult?

Erling: An zehn Wochenenden absolvieren sie einen sogenannten Befähigungskurs. Diese Schulung erfolgt durch versierte Ehrenamtliche, die Gesprächsführung ist dabei zentrales Thema. Häufig handelt es sich bei unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern um ehemalige und aktive Pflegekräfte, die im Berufsalltag zu wenig Zeit für Sterbende hatten und haben. Oder um Ruheständler, die sich sozial einbringen möchten, oder um Menschen, die sich aus persönlicher Betroffenheit engagieren.

Da wir keineswegs wollen, dass unsere Ehrenamtlichen ausbrennen, gibt es regelmäßige Praxisabende mit speziell geschulten Supervisoren. Die Ehrenamtlichen bekommen übrigens nur die Fahrtkosten ersetzt. Die Helfer empfinden jedoch die Hinwendung zu den Sterbenden als persönliche Bereicherung, aus der sie positive Kraft schöpfen.

Wie finanziert sich der ambulante Hospizberatungsdienst?

Erling: Die Begleitung ist für den Sterbenden und die Angehörigen kostenfrei. Wir finanzieren uns zu zwei Dritteln über die gesetzlichen Krankenkassen, zu einem Drittel aus Spenden.

Neu ist die ambulante Kinderhospiz-Arbeit ...

Erling: Solch ein Angebot gibt es in der Region noch nicht. Dabei geht es auch um Hilfe für die Trauerarbeit von Eltern und Geschwistern. Die erste Kinderhospiz-Helferin ist nun ausgebildet. Wir stehen im engen Austausch mit dem Verein "Verwaiste Eltern".
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