Die letzten Tage der Menschheit

In eigener überarbeiteter Fassung brachte die AGW-Theatergruppe das Antikriegsdrama "Die letzten Tage der Menschheit" auf die Bühne und präsentierte in scharfer Gesellschaftskritik die eindringlichen Warnung vor dem Krieg. Bild: Dobmeier

Das Antikriegsdrama von Karl Kraus hat auch über 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs nichts von seiner Wirkung verloren. Schüler des Augustinus-Gymnasiums überarbeiteten das anspruchsvolle Thema und präsentierten 19 Szenen.

"Die letzten Tage der Menschheit": Auch heute noch sind die Zuhörer vom monumentalen Ideenreichtum des Stückes überwältigt. Dass die Tragödie rund um den 1. Weltkrieg auch nach so langer Zeit nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat, beschrieb Oberstudiendirektor Helmut Matejka bei seiner Begrüßung mit dem Verweis auf die derzeit kriegerischen Auseinandersetzungen in aller Welt.

Volles Haus

Die über 40 Schülerinnen und Schüler der Theatergruppe der Q11 und Q12 des Augustinus-Gymnasiums überarbeiteten selbst das anspruchsvolle Thema mit einer Auswahl von 19 Szenen und präsentierten sie dem Publikum. Schulleiter Matejka dankte Studienrätin Silke Roth für die Leitung. Zudem freute er sich über die zahlreichen Gäste, die für ein volles Haus in der Aula sorgten.

Die scharfe Gesellschaftskritik warnte eindringlich vor dem Krieg in Form einer vor Witz und Sarkasmus funkelnden Satire. Das Lachen - für das es in vielen Szenen fast einen Grund gab - blieb allerdings im Hals stecken. Es geht weniger um die Kriegsgräuel an der Front als um Dummheit, Verlogenheit und Gedankenlosigkeit.

Das Stück nahm die hohlen Phrasen dümmlicher Offiziere ebenso aufs Korn wie die Skrupellosigkeit der Kriegsgewinner und die Sensationsgier der Journalisten. Viele Figuren aus allen Gesellschaftsschichten traten auf wie Hofbeamte, Offiziere, Soldaten, Kriegsberichterstatter, Zeitungsverkäufer, Kleinbürger, Adelige, Spekulanten und Kriegsgewinner, ein Patriot sowie ein Nörgler. Die Szenen spielten beispielsweise an der Ringstraße in Wien (Sirk-Ecke), in einer Schule und einer Wohnung, in Büros, Kasernen, Lazaretten und Schützengräben. Aus Dialogen, Ansprachen, Briefen, militärischen Tagesbefehlen, Zeitungsmeldungen montierte die Aufführung eine monumentale Collage über den 1. Weltkrieg.

Immer düsterer

Von Szene zu Szene entpuppte sich die Lage für Österreich und Deutschland düsterer: Die Katastrophe naht unaufhaltsam. In "Extraausgaben" boten Zeitungsverkäufer Sensations- und Kriegsmeldungen an, wie "Venedig bombardiert" oder "Die Bluttat von Sarajevo". Zusammengehalten werden die vielen Handlungsorte durch das wiederholte Auftreten bestimmter Figuren und die Variation von Motiven. Das Ende ist surreal: Da treten Tote auf, und Gott klagt, mit den Worten von Kaiser Wilhelm II.: "Ich habe es nicht gewollt!" "Die letzten Tage der Menschheit" sind angebrochen.

Mit beeindruckendem Applaus entließen die Zuschauer die Schüler der AGW-Theatergruppe, die sich mit der Thematik "Krieg" auseinandersetzten und daraus lehrreiche Schlussfolgerungen ziehen konnten.
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