Die Liebe nicht vergessen

Gemeinsam engagieren sie sich für die 7. Gesundheitsveranstaltung des Fördervereins für Schwerkranke um deren Vorsitzende Waltraud Koller-Girke (sitzend, Mitte) zum Thema "Demenz". Carsten Gleißner-Lieske und Chefarzt Dr. Michael Angerer (stehend, Dritter und Vierter von links) halten zwei der drei Referate am Mittwoch. Bild: ggö

Menschen werden immer älter. "Vielleicht ist Demenz deshalb ein Lebensabschnitt, den künftig viele durchleben müssen", meint der Chefarzt der Klinik für Neurologie. Doch wie genau zeigt sich Demenz? Wie geht man mit Betroffenen um? Und warum beugt eine intakte Beziehung vor? Darüber informiert die 7. Gesundheitsveranstaltung.

Die Angst vor Demenz hat fast jeden schon einmal gepackt. Plötzlich hat man eine Telefonnummer nicht mehr parat, den Namen des Nachbarjungen vergessen oder die Schlüssel verlegt. Und tatsächlich: "Der Übergang von der normalen Vergesslichkeit zur Krankheit ist fließend", sagt Dr. Michael Angerer, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum Weiden, bei einem Pressegespräch. Und: Jeden kann es treffen. Grund genug, genauer über "Demenz" zu informieren. Der 7. Gesundheitstag tut es.

Am Mittwoch, 11. März, lädt der Förderverein für Schwerkranke der Kliniken Nordoberpfalz AG dazu in die Klinikums-Caféteria (Eingang Gabelsbergerstraße) ein. Im Mittelpunkt der Veranstaltung werden drei Referate von Experten stehen.

So spricht Chefarzt Angerer beispielsweise über wissenschaftliche Erkenntnisse zur Krankheit: Was ist Demenz? Woran erkenne ich sie? Welche Stadien und Therapiemöglichkeiten existieren? Antworten gibt sein Vortrag unter dem Titel "Dementielle Erkrankungen - Ursachen und Diagnostik".

Man kann sich schützen

"Aber man sollte auch wissen, dass man Dinge in der Hand hat", sagt Dr. Angerer und verweist auf den Vortrag des Ärztlichen Direktors des Bezirksklinikums Wöllershof: "Angst vor Alzheimer - Normale Hirnalterung oder Demenz?" Dr. Heribert Fleischmann erörtere hier auch, inwiefern Bewegung, gesunde Ernährung und die Behandlung von Bluthochdruck demenzielle Erkrankungen zeitlich hinausschieben können. "Auch eine intakte Beziehung ist ein probates Mittel", sagt Dr. Angerer.

Apropos Beziehung: Die zu Demenzkranken stellt Carsten Gleißner-Lieske in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er leitet das Haus Sankt Laurentius in Eschenbach, wo das Klinikum als Träger derzeit 23 Plätze für die Pflege Demenzkranker anbietet. Die Einrichtung ist voll belegt, die Warteliste lang. Schließlich werde dort laut Gleißner-Lieske "absolute Pionierarbeit in der Pflege Demenzkranker" geleistet. Inwiefern? "Wir sind weg von dem integrativen Ansatz, bei dem Demenzkranke und andere gemeinsam gepflegt werden. Das ging nämlich voll in die Hose." Das Verständnis füreinander fehlte. Deshalb setze die Einrichtung nun auf individuelle Pflege, ganz ohne freiheitsentziehende Maßnahmen und ohne den hohen Einsatz von Psychopharmaka. Vielmehr werde viel Biografie-Arbeit geleistet. "Wir stellen fest, wenn ein Demenzkranker kommt, sind noch viele Rechnungen offen. Nicht monetärer, sondern emotionaler Art mit der Tochter oder dem Sohn zum Beispiel." Das wird aufgearbeitet. Im individuellen Tempo. Auch Tagesabläufe werden individuell gestaltet: "Da frühstückt einer schon mal um 12 Uhr mittags, weil er früher Bürgermeister war und am Vorabend wegen der Stadtratssitzung länger machen musste", weiß Gleißner-Lieske und wirbt für Akzeptanz: "Wir wollen Demenzkranken eine Lobby geben." Entsprechend lautet der Titel seines Vortrags, der letzte von insgesamt dreien am Mittwoch: "Das Herz wird nicht dement".

Infos von Selbsthilfegruppe

Unterstützt wird die Veranstaltung von der AOK, dem Medienhaus "Der neue Tag" sowie von der Volkshochschule. Es moderieren Dr. Susanne Kreutzer sowie Dr. Nikolaus Globisch vom Förderverein für Schwerkranke. Mit von der Partie sind der Ambulante Hospiz- und Palliativberatunsdienst sowie die Selbsthilfegruppe.
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