Die Macht von Mobiltelefonen

MdB Reiner Meier (stehend, links) begrüßte seinen Bundestagskollegen Dr. Reinhard Brandl zum Kamingespräch des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik. Mit dabei (sitzend, von links): Stellvertretende Kreisvorsitzende Anna-Maria Walter, Kreisvorsitzender Harald Puckschamel und stellvertretender Kreisvorsitzender Hans-Jürgen Gmeiner. Bild: sbü

Ein Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag hält in Weiden einen Vortrag. Das allein ist nicht alltäglich. Geplant war ein Vortrag über Cyber- sicherheit. Doch die Ereignisse überschlugen sich. Erst die Flüchtlingswellen, dann das neueste Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum Datenschutz im Internet. Die Folge: Das Thema musste umfassender behandelt werden.

(sbü) "Um frühzeitiger reagieren zu können, müssen wir die Netzwerke besser verstehen lernen", formulierte MdB Dr. Reinhard Brandl eine wichtige Schlussfolgerung seines Vortrags. ASP-Kreisvorsitzender Harald Puckschamel hatte Brandl als Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestags und Cyberexperten zusammen mit MdB Reiner Meier zum Kamingespräch in den "Bräuwirt" eingeladen.

Fluchtwellen per Handy

Mit zahlreichen Beispielen wartete der Referent auf, um Gefahren der Vernetzung aufzuzeigen. Zunächst ging Brandl auf die Flüchtlingsströme ein. "Die Flüchtlingssituation hat viel mit Cyber zu tun", sagte er. Fast alle Flüchtenden verfügen über ein Smartphone, Fluchtwellen würden über Mobiltelefone gesteuert. Weil alle Informationen sofort verbreitet würden, sei die Anhebung der Prognose der Flüchtlingszahlen von Innenminister de Maiziere auf 800 000 "als Einladung nach Deutschland" verstanden worden. Ähnliches wäre auch mit einem internen Dokument im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge passiert. Dort wäre empfohlen worden, auf die Anwendung des Dublin-Verfahrens bei syrischen Flüchtlingen zu verzichten.

Schleuser hätten ebenfalls aufgerüstet: "Sie unterdrücken jetzt mit einem sogenannten Jammer die Mobilfunkkommunikation der Flüchtenden." So könnten Flüchtlingsboote von Marineschiffen aus nicht mehr geortet werden, berichtete der Abgeordnete. "Jetzt müssen wir nach Jammern suchen", sagte er. Auch sei der IS nur deshalb so groß geworden, weil er gezielt über soziale Netzwerke verbreitet wurde. "Man muss den Mechanismus verstehen, Cyber spielt bei fast allen Konflikten eine Rolle."

Neuer Cyber-General

Welche Bedrohung aus dem Netz ausgehe, erläuterte er am Beispiel des Hacker-Angriffs auf den deutschen Bundestag und auf die Baupläne des für 1,1 Billionen Dollar eingekauften Tarnkappenflugzeug der USA. Auch ein deutsches Stahlwerk hätte nach einem solchen Angriff seinen Hochofen nicht mehr geregelt herunterfahren können.

Dass zwischen USA und China ein Cyberkrieg herrsche, sei längst bekannt. Auch habe das syrische Assad-Regime mit digitalen "Mata Haris" in Form künstlicher Skype-Profile oppositionelle Soldaten zum Bildaustausch verführt. Dabei seien Viren verbreitet worden.

Brandl sieht insgesamt eine wachsende Bedrohung durch Cyberaktivitäten. Reagiert werde in Deutschland mit dem neuen IT-Sicherheitsgesetz und der Personalverstärkung im Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik. Außerdem gebe es einen Kabinettsbeschluss zur Errichtung großer Rechenzentren mit entsprechenden Schutzvorkehrungen für die Bundesverwaltung. Mit dem Projekt "Herkules" hätte die Bundeswehr diesen Konsolidierungsprozess bereits hinter sich. "Nächstes Jahr wird ein Cyber-General ernannt", kündete Brandl an.
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