Die Ostmark als Bollwerk

Dr. Albrecht Bald sprach vor dem Heimatkundlichen Arbeitskreis über die Bayerische Ostmark. Bild: R. Kreuzer

Heute kennen wir noch die Ostmarkkaserne und die Ostmarkstraße. Während der NS-Diktatur betonte der Begriff Ostmark den Bollwerkcharakter des Gaus gegen die angeblich militärische, wie auch soziale und kulturelle Bedrohung durch die Tschechen. Sogar der Böhmische Wind galt als Gefahr.

Die NSDAP hatte das Land von 1925 bis 1945 in sogenannte Gaue eingeteilt, jeweils geführt von einem Gauleiter. Dabei gehörte die Oberpfalz zusammen mit Niederbayern und Oberfranken seit 1933 zum Gau Bayerische Ostmark. Mochten bei der Gründung noch parteitaktische Erwägungen hinsichtlich der mitgliederschwachen Region ausschlaggebend gewesen sein, so lag später, nicht zuletzt wegen der Rolle von Gauleiter Hans Schemm als "Vater der Bayerischen Ostmark", der Schwerpunkt auf einer gauspezifischen Grenzlandideologie. Zu diesem Thema begrüßte die Vorsitzende des Heimatkundlichen Arbeitskreises Petra Vorsatz als Referenten Dr. Albrecht Bald.

Er forscht seit vielen Jahren zur NS-Geschichte in Nord- und Ostbayern. Er hat mit seiner 2014 erschienen Monographie "Braun schimmert die Grenze und treu steht die Mark" ein grundlegendes Werk zum Gau Bayerische Ostmark vorgelegt. Bayerische Ostmark und Grenzland sind Begriffe der Nationalsozialisten. Von der Gauleitung in Bayreuth ausgehend, sollten die Bewohner zu einer einheitlichen Volksgemeinschaft aus "Ostmärkern" zusammengeschweißt werden.

"Im Sudetenland waren die Tschechen in der Minderheit", sagte Dr. Bald. Auf beiden Seiten der Grenze wurden in der Folgezeit das Misstrauen größer. Man begann, eine eigene nationale Identität zu forcieren. Zahlreiche Ehren- und Denkmäler wie der Bismarckturm von Eger mit Rednertribüne und Feuerschale, oder der Asenturm auf dem Ochsenkopf oder auch das geplante HussitenDenkmal bei Taus, das jedoch nie fertiggestellt wurde, zeugen von den Anstrengungen, die auf beiden Seiten unternommen wurden.

Intensiv setzt sich Bald mit Gauleiter Schemms Image als "guter Nazi" auseinander. Er führt es zum einen auf sein gutes Aussehen ("hochgewachsen, blond, blauäugig"), zum anderen auf sein Organisations- und Redetalent zurück, vor allem aber auf seinen frühen Unfalltod am 5. März 1935. Als Gauleiter baute Schemm Bayreuth gezielt zur "Gauhauptstadt" aus, installierte hier über 40 Ämter der Partei und besetzte sie mit engen Vertrauten aus der "Kampfzeit". Diese "im Wesentlichen aus Volksschullehrern zusammengesetzte Führungsclique" wird in der Fachwissenschaft auch als Bayreuther "Gauclique" bezeichnet.

Es entwickelte sich ein regelrechter Totenkult um Schemm. Sicherlich hat auch dazu beigetragen, dass er sich als Bayerischer Kultusminister zumindest nach außen hin als religiös zu verkaufen verstand. Das unterschied ihn gänzlich von seinem Nachfolger Fritz Wächtler (1891-1945), der mit seiner antikirchlichen Agitation über die angestrebte Grenze hinausging.
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