Die Spur führt nach Südafrika

Der in Weiden des Millionenbetrugs angeklagte Wolfgang S. ist möglicherweise selbst der "Nigeria-Connection" aufgesessen und hat diese Betrugsmasche dann weitergeführt. Ihren Anfang nimmt die Geschichte 2006 in einem Hotel in Südafrika.

(ca) Wolfgang S. war damals mit seinem Compagnon aus München nach Johannesburg geflogen. Dieser Mann, ein 65-jähriger Investmentmakler aus München, sagte am Donnerstag vor der 1. großen Strafkammer aus. Man war auf der Suche nach Investoren. Wolfgang S. und sein Geschäftspartner träumten davon, auf Mallorca den Tabakanbau wieder aufleben zu lassen. Mit allem Pipapo: Plantage, Zigarrenmanufaktur, eine Verkaufslounge in München.

Wolfgang S. habe sich in einem Hotel mit den Kreditgebern getroffen. Sie boten 27 Millionen Dollar in bar an, deponiert in einem "Security House". Um das Geld auszulösen, sei eine Gebühr fällig. Der Münchner Compagnon und sein südafrikanischer Berater durften bei den Verhandlungen nicht dabei sein. Aber sie sahen die Verhandlungspartner im Hotel. Dem Südafrikaner war das Ganze suspekt: Er zweifelte stark an, dass die Schwarzafrikaner Landsleute waren. "Er war sich sicher, dass es sich um Nigerianer handelte." Man wusste um die Betrügerringe der Nigeria-Connection (Kasten). "Wolfgang S. sollte über den Tisch gezogen werden wie Tausende andere auch."

Acht Jahre sind seitdem vergangen. Die 27 Millionen Dollar aus Südafrika sind nie geflossen. Aus der Tabakplantage wurde nichts. Aber Wolfgang S. scheint sich die Betrugsmasche der Afrikaner einverleibt zu haben. Er erzählte seinen Geldgebern die Story nur etwas abgeändert: Demnach ist er selbst Besitzer eines Millionenvermögens. Es handle sich um den Erlös aus Tabakgeschäften in Zimbabwe in 2002. Das Geld sei auf internationalen Konten "eingefroren" und könne durch die Zahlung diverser Gebühren losgeeist werden. "Von der Geschichte habe ich ja noch nie gehört", entfuhr es dem früheren Geschäftspartner aus München, der immerhin genau zu dieser Zeit (2000 bis 2006) geschäftlich mit Wolfgang S. verbandelt war.

Richtig rätselhaft wurde es am Donnerstag vor Gericht, als kurz vor Mittag ein Fax aus Südafrika bei der Justiz Weiden einging. Der Absender hatte die Ländervorwahl 0027. Der Inhalt: Eine "Kanzlei Benson Moyo aus Johannesburg" bestätigt Geschäftsbeziehungen zu Wolfgang S., der behilflich sei, das Vermögen der Familie in Höhe von 27 Millionen US-Dollar wiederzubeschaffen.

Als zentrale Frage kristallisiert sich immer mehr heraus: Ist Wolfgang S. selbst der Geneppte und wurde zum Geldeintreiber für eine "Nigeria-Connection"? Wird er vorgeschickt, weil er ein einnehmendes Wesen hat? Oder zockte er die zehn Millionen Euro für sich selbst ab?

Letzteres scheint fast ausgeschlossen: Ein betuchter Zeuge hat ihm all die Jahre den Lebensunterhalt auf Mallorca finanziert. Er überwies alles in allem eine Viertelmillion Euro nach Palma, weil ihm der verhinderte Millionär "sympathisch" war. Nach seiner Aussage hatte Wolfgang S. "nicht mal Wurst im Kühlschrank".
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