Die Stunde der Organisatoren

Als vorletztes Wochenende die Unterkünfte gleichzeitig mit 150 Flüchtlingen belegt wurden, teilten sich die Einsatzleiter auf: Hartmut Ordnung (links) fuhr nach Neuhaus, Franz Rath übernahm Weiden. Wie das Wartezentrum in Feldkirchen organisiert ist, erlebten Petra Grünauer, Elisabeth Geuß, Edeltraud Sperber vom Kreisauskunftsbüro sowie Nadine Ehmann und Christa Engel (nicht im Bild). Bild: Hartl

313 Helfer des Roten Kreuz haben sich seit Juli in der Flüchtlingshilfe engagiert. 2165 Stunden. Alles ehrenamtlich. Findet sich ein Hauptamtlicher unter den Helfern, tut er das in seiner Freizeit. "Wir leisten alles zusätzlich", sagt Kreisgeschäftsführer Franz Rath.

(ca) Er sagt das ohne Groll, eher aus einem Selbstverständnis heraus: "Wir als Rotes Kreuz sind zu Hilfeleistung verpflichtet." Hier ist Hilfe nötig. Also wird sie geleistet. "Wir tun unser Möglichstes, und wir tun das gerne."

Eine Zwischenbilanz: Die "Kameradinnen und Kameraden" des Kreisverbandes verpflegten Flüchtlinge bei der Bundespolizei Waidhaus und Weiden (365 Einsatzstunden). Sie betreuten Hunderte Asylbewerber, die in Bussen in den Turnhallen der Berufsschule, des Gymnasiums Neustadt sowie in einer Gewerbehalle in Neuhaus ankamen (1322 Stunden).

Neben der Registrierung half das BRK den Ärzten beim Erstscreening und fuhr Patienten ins Krankenhaus. Die ersten Nächte übernachteten Sanitäter vor Ort. In den Nächten herrscht tatsächlich Ruhe in den Hallen, trotz der vielen Kinder. "Es besteht ein unheimliches Schlafbedürfnis", berichtet Hartmut Ordnung, Beauftragter für Katastrophenschutz.

Das Kreisauskunftsbüro erlebt eine Renaissance. Letzter Großeinsatz war 1989 die Registrierung von DDR-Übersiedlern. Jetzt nehmen die Damen in der Berufsschulturnhalle die Personalien der zumeist Syrer, Iraker und Afghanen auf. Höchstes Lob zollen sie den ehrenamtlichen Dolmetschern, Landsleuten, die schon länger im Land sind. "Ohne sie ginge gar nichts", sagt Leiterin Edeltraud Sperber. Große Anerkennung gilt den Mitarbeitern und dem Rechtsamt der Stadt: "Die machen das super."

Es ist die Stunde der perfekten Organisation. Fünf Frauen des Kreisauskunftsbüros waren letzte Woche freiwillig im Wartezentrum Feldkirchen im Einsatz: "Das ist nochmal eine andere Größenordnung." In dem Lager des Roten Kreuz übernachten 1000 Flüchtlinge in 320 Zelten, ehe sie weiterverteilt werden. "Das läuft sehr strukturiert", ist Elisabeth Geuß beeindruckt. THW, Bundeswehr, BRK arbeiten Hand in Hand. "Die Organisation dort ist der Hammer."

Professionell und neutral: So sieht sich das Rote Kreuz. Und trotzdem ist Platz für Sympathien für die Menschen, die gerade ins Land kommen. "Hochintelligente Leute" hat Franz Rath kennengelernt. Auch Menschen, "denen die Angst noch im Nacken sitzt": "Wir würden doch das gleiche tun. Ein Land, in dem es für mich und meine Familie keine Perspektive gibt, würde ich verlassen."

Motivation ungebrochen

Die Tendenz der Neuankünfte ist steigend. "Aber Ängste zu schüren, das bringt uns nicht weiter", sagt Kreisgeschäftsführer Franz Rath . "Es ist zu unterscheiden, was kommt und was bleibt." Viele wollen weiter: Norwegen, Finnland, Großbritannien. Rath schrecken die neuen Zahlen jedenfalls nicht. "Wir können noch weitermachen. Unsere Leute sind motiviert und bei der Sache."
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