Die Welt aus den Fugen

Für die Friedrich-Ebert-Stiftung, vertreten durch Harald Zintl (von rechts), referierte Ex-Staatssekretär Walter Kolbow. Mit dabei war auch Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch. Bild: uz

Es ist eine der gefährlichsten Entwicklungen weltweit: der Islamische Staat (IS). Allerdings hatte auch Deutschland die Gefahr lange Zeit nicht auf dem Schirm, glaubt ein renommierter Experte.

"Gerät die Welt aus den Fugen?", hieß die Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung im "Stadtkrug". An einer Antwort versuchte sich der Ex-Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Walter Kolbow. Anlass für die Frage bieten zahlreiche Krisen weltweit. Eine davon ist der IS. "Wir haben vom IS nichts, aber auch schon überhaupt nichts gewusst", räumte Kolbow ein. Unwissenheit, die es auch in anderen Fällen schon gab: "Wir haben auch vom arabischen Frühling nichts gewusst." Das einzige Mittel gegen den IS sei, ihn auszutrocknen. Ihm den Geldhahn zuzudrehen.

Gerät die Welt also aus den Fugen? Kolbow sprach ein eindeutiges Ja. "Verletzungen der Menschenrechte passieren in allen Ecken der Erde." Denn: "Auch die Türkei birgt großen Sprengstoff." Ein unüberwindbarer Krisenherd: "Die Hängepartie Israel-Palästina." Nach Ansicht des Ex-Staatssekretärs gehe es hier nur noch um Schadensbegrenzung. "Wir müssen aufpassen, dass in anderen Ländern nichts Ähnliches passiert."

Für Diplomatie

Kolbow plädierte für den diplomatischen Weg. "Wir brauchen einen charismatischen Vermittler im Sinne des Papstes." Aus dem Dilemma komme man nur mit Teillösungen heraus. Friedenspolitik sei ein Puzzlespiel. "Die Summe der Teillösungen sorgt für den Frieden in der Welt." In der Diskussion zeigte sich, dass die Verantwortlichen keinerlei wirksame Strategien besäßen.

Keine Strategie

Auch Deutschland nicht. "Wir sind in 17 Einsätzen weltweit unterwegs." Weder im Kosovo noch in Afghanistan sei eine Befriedung gelungen. Im Kosovo sei die Bundeswehr mit 500 Mann vor Ort. "Wir wissen nicht, wie sich das dort unten weiterentwickelt." Kolbow: "Serbien hat Putin groß gefeiert anlässlich des Jahrestags der Vertreibung der deutschen Besatzer."

Ohne Russland sei ein stabiles Europa nicht möglich. "Russland muss unbedingt mit einbezogen werden. Wir müssen wieder miteinander reden." Der Freiheitsanspruch von Menschen hänge nun einmal von der wirtschaftlichen Entwicklung und ihrem Wohlergehen ab. Die Völkergemeinschaft sei ja nicht mal in der Lage gewesen, Syrien oder den Irak zu befrieden. "Was wir brauchen, ist einen Krisenpräventionsplan." Am besten ohne den Gebrauch von Waffen. "Wir müssen die Summe der demokratischen Kräfte bündeln", betonte Kolbow, der inzwischen Vorsitzender der sicherheitspolitischen Kommission der SPD ist.
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