Diebe setzen Duftnote

Nur die teuersten Duftwässer waren gut genug. Das junge Paar aus Rumänien hatte Filial-Adressen eines bundesweit niedergelassenen Parfümerie-Unternehmens ins Navi programmiert, startete seine Diebestour in Weiden und machte in Amberg weiter. Kurz danach gerieten die beiden in eine Verkehrskontrolle.

Das Paar machte sich von Bukarest aus auf den Weg nach Deutschland, wollte Parfums stehlen und sie in Frankreich an offenbar wartende Abnehmer verhökern. Als später Spezialbeamte der Polizei das Navi aus dem Auto des 34-jährigen Mannes und seiner 30 Jahre alten Begleiterin prüften, stellte sich heraus: Sie hatten eine Reihe von Adressen einprogrammiert, die direkt zu mehreren Filialstandorten einer renommierten Parfümerie-Handelskette führen sollten. Die Diebestour begann am 2. März dieses Jahres in Weiden. Das Paar sackte Duftwässer im Wert von über 400 Euro ein, verließ den Laden und machte sich unverzüglich auf den Weg nach Amberg. Dort verlief ihr dreister Coup weitaus erfolgreicher: Parfums im Wert von 1000 Euro verschwanden in einer mitgebrachten Tasche. Niemand wurde aufmerksam, keiner hielt die jungen Rumänen auf. "Haben Sie Etiketten entfernt?", fragte die Richterin. "Nein", hörte sie und bekam zudem die Auskunft, dass es beim Verlassen der Geschäfte auch keine Alarmsignale gab.

Dann aber kam plötzlich der Zufall ins Spiel. Nicht weit von Amberg entfernt gerieten die über Waidhaus nach Deutschland eingereisten Diebe in eine Verkehrskontrolle. Damit endete die Geldbeschaffungsfahrt. Denn der Erlös aus den verhökerten Parfumpackungen hätte zur Finanzierung des Lebensunterhalts dienen sollen.

Der 34-Jährige kam in die JVA Amberg, seine Partnerin saß seither in der Regensburger Frauenhaftanstalt. Vor der Amberger Richterin Julia Taubmann sagten nun beide: "Wir wollten nach Frankreich." Dort saßen offenbar die Abnehmer der Beute. Sie warteten vergebens. Womöglich hatten sie mit einer größeren "Lieferung" gerechnet. Denn im Prozessverlauf verfestigte sich der Eindruck, als ob Weiden und Amberg nur die ersten Stationen der Diebesreise hätten sein sollen.

Zwei Monate saßen die Rumänen in Untersuchungshaft. Konnte man sie länger festhalten? Staatsanwalt Jan Prokoph verneinte und forderte für beide jeweils sechs Monate Gefängnis zur Bewährung. Für eine Bewährungsstrafe sprachen sich auch die Verteidiger Jürgen Mühl und Stephanie Bauer aus.

Richterin Taubmann entsprach dem Antrag des Anklagevertreters, sie hob außerdem die bestehenden Haftbefehle auf. Wenige Stunden später konnten der 34-Jährige und seine Freundin, Mutter zweier Kinder, nach Rumänien zurückkehren.
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