Diebstahl läuft aus dem Ruder

Eine halbe Stunde hatte die Detektivin eines Supermarktes zwei Kunden beobachtet, die Lebensmittel in ihrer Tasche verschwinden ließen. Als die Ladendiebe in das Büro des Marktleiters gebracht werden sollten, nahmen sie Reißaus. Und begingen auf der Flucht gleich noch ein paar Delikte.

(lba) Es ging nur um Waren im Wert von 50 Euro. Aufgrund von vier Vorstrafen wanderte einer der beiden 27-jährigen Täter dennoch ins Gefängnis. Das Schöffengericht verurteilte den Weidener wegen räuberischen Diebstahls und schwerer Körperverletzung zu zwei Jahren und vier Monaten Haft. Der Kompagnon aus Amberg erhielt ein Jahr und neun Monate, ausgesetzt zur Bewährung. Zudem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Die Angeklagten waren der Detektivin an einem Nachmittag im Mai in einem Weidener Einkaufsmarkt aufgefallen. An der Kasse zahlte das Duo drei Artikel. Die gut gefüllte Tasche blieb zu. Die Ladendetektivin bat die beiden in das Büro des Marktleiters am Eingang. Zwei Kollegen gesellten sich dazu. Als die beiden 27-Jährigen fliehen wollten, kam es zur Rangelei mit vier Mitarbeitern. Vor Gericht berichteten diese, sie seien von den Dieben weggeschubst worden. Als man die beiden in eine Ecke gedrängt habe, hätten sie mit Fäusten um sich geschlagen. "Wir haben uns dabei immer passiv verhalten und sind ausgewichen", sagte der Chef.

Faustschläge und Fußtritt

Die Täter entkamen im Sprint quer über den Parkplatz. Zwei Angestellte und der Marktleiter nahmen die Verfolgung Richtung Mitras auf. Im Hinterhof der Bundeskasse warf einer das Diebesgut ins Gebüsch. Als er den Angeklagten den Weg versperren wollte, bekam der Marktleiter einen Tritt gegen den Fuß verpasst. Zwei Mitarbeiter kassierten Faustschläge, auch gegen den Kopf. "Ich war kurzzeitig schockiert. Mich hat noch nie jemand körperlich angegriffen."

Mit Lesegerät geworfen

Einem fiel das Lesegerät aus der Halterung an der Hose. Dieses eineinhalb Kilogramm schwere Gerät habe ein Täter aufgehoben und damit nach einem Kollegen geworfen, den er im Rücken traf. "Das war der aggressivste Diebstahl, den ich bis jetzt erlebt habe." Diese Anschuldigung stritt der Angeklagte vehement ab. Er behauptete das Gegenteil, nämlich, dass er mit dem Gerät attackiert worden sei. Man habe sich aus "Selbstschutz" verteidigt.

Inzwischen war die Polizei über die flüchtigen Ladendiebe informiert worden. Eine Streife fuhr direkt nach Moosbürg, wo sich ein Flüchtiger neben einer Lagerhalle versteckt hatte und widerstandslos festnehmen ließ. Der andere "lief uns auf dem Weg zur Dienststelle quasi direkt in die Arme", so der Beamte.

Für Staatsanwalt Oliver Schmidt wog die Brutalität bei der Tat schwer. "Die Gewaltbereitschaft war immens." Er forderte für die Angeklagten zwei Jahre und zehn Monate bzw. vier Jahre auf Bewährung. Die Verteidiger plädierten auf neun Monate bzw. ein Jahr auf Bewährung. "Sie haben Sachverhalte abgestritten, um das Geschehene harmloser darzustellen", war sich Vorsitzender Richter Gerhard Heindl sicher.

Strategie wird geändert

Aufgrund der physischen und psychischen Belastung veranlasste das Geschehen, den Marktleiter die Strategie im Falle eines Diebstahls zu ändern. Künftig soll das Personal die mögliche Brutalität eines Täters berücksichtigen. "Auf einer Skala von 1 bis 6 war der Vorfall locker eine 5."
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