Digitale Gretchenfrage

Stadt Tirschenreuth - Daumen hoch. Regensburg - auch Daumen hoch. Und Weiden? Dreht und wendet erst mal Däumchen und Argumente. Während manche sich endlich einen Auftritt der Stadt bei Facebook wünschen, gibt es auch ernsthafte Bedenken.

Mit ihrer Präsenz in sozialen Medien wie Facebook halten es Oberpfälzer Kommunen sehr unterschiedlich. Der Kreis Neustadt/WN ist ebenso dabei wie die Stadt Tirschenreuth. Letztere hat dafür inzwischen rund 1500 "gefällt mir"-Klicks in Form nach oben gereckter Daumen bekommen. Regensburg zählt knapp 6000 virtuelle Freunde. Auch auf den gängigsten anderen Plattformen ist die Bezirkshauptstadt aktiv. Amberg dagegen ist abstinent, noch: Ein eigener Auftritt ist in Vorplanung. Weiden wiederum fängt erst einmal mit der Diskussion an.

"Keine Werbung"

Termin ist Mittwoch, 15. Juli. Dann geht es im Kulturbeirat um eine Anfrage von Stadtrat Michael Bihler. Der CSU-Mann will wissen, wie es um den virtuellen Auftritt der Stadt insgesamt steht. Angefangen von der Internetseite über die Weiden-App bis hin eben zu einem möglichen Facebook-Profil. Den nötigen Einsatz wolle er den Verantwortlichen in der Verwaltung damit keineswegs absprechen, betont Bihler. Trotzdem sei vieles verbesserungswürdig. "In der jetzigen Zeit ist das keine Werbung für die Stadt."

In eine ganz andere Richtung argumentiert dagegen die Stadtverwaltung. In ihrer Antwort auf die Anfrage rät sie klar ab von einer Erweiterung der Internetseite um soziale Netzwerke oder einem Auftritt bei Facebook. Gründe findet sie mehrere. Da wäre zum Beispiel der bayerische Datenschutzbeauftragte. Er sieht Kommunen in einer Vorbildrolle. Schon allein deshalb sollten sie keine sozialen Netzwerke nutzen, die sich nunmal nicht konsequent an hiesige Datenschutzstandards hielten. Ebenfalls problematisch laut Verwaltung: Soziale Medien finanzieren sich über Werbung. Ein Bezug von behördlichen Inhalten und Anzeigen, insbesondere mit fragwürdigen Inhalten wie rechtsextremer Parteienwerbung, könne schwierig sein.

Zu teuer?

Aber auch die Kommentarfunktion vieler sozialer Medien ist für die Verwaltung ein Gegenargument: Was, wenn jemand einen rechtswidrigen Kommentar schreibt? Die Kommune müsste den wohl sofort entfernen, so die Verwaltung. Außerdem könnte sie verpflichtet werden, Vorsorge gegen solche Kommentare zu treffen. Und dann wären da noch Personalkosten. Die Verwaltung geht davon aus, dass es für solche digitalen Angebote mindestens zwei Online-Redakteure bräuchte. Bei einer Einsatz- bzw. Bereitschaftszeit von 24 Stunden an 7 Tagen die Woche. Teuer.

Bihler will den Daumen trotzdem nicht senken. Er bezweifelt, dass es so lange Dienstzeiten und so viel Personal braucht. Die Einwände des Datenschutzbeauftragten seien "schön und gut". Aber nicht bindend. "Wir können und sollten das anders tun." Die virtuellen Angebote der Kommune brauchen aus seiner Sicht eine umfassende Auffrischung. "Ich möchte, dass die Stadt nach außen hin moderner wird, kommunikativer. Wir werben als Oberzentrum - aber wir sind ein Stück weit nicht am Zahn der Zeit."
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