Dort schon Verwandte ansässig - Prozess wegen Schleusung: Auch Fahrten über die A 6 bei Waidhaus
Tschetscheninnen wollen nach Frankreich

(ca) Waidhauser Grenzbeamte machten am Donnerstag ihre Zeugenaussagen im Schleuser-Prozess vor dem Landgericht Weiden. Fünf Tschetschenen wird vorgeworfen, 175 Landsleute gegen Bezahlung illegal nach Deutschland gebracht zu haben. Zwei der 29 angeklagten Fahrten führten über die Autobahn A 6.

Beide Male waren die Insassen Mütter und ihre Kinder. Beide Male war das Ziel der Fahrt Frankreich, wo schon Verwandte lebten. Das eine Fahrzeug, ein Fiat Tipo, fiel Waidhauser Zöllnern im Mai 2011 auf, weil es gar so langsam fuhr. "Ein Schrottauto, höchstens 300 Euro wert." Auf dem Parkplatz Ulrichsberg zogen sie das Auto aus dem Verkehr. Drinnen saßen ein Fahrer, geboren in Grosny, sowie eine Mutter mit ihrem 18-jährigen Sohn, beide ebenfalls Tschetschenen.

Die Frau gab bei der Bundespolizei an, zu ihrer Tochter nach St. Etienne in Frankreich zu wollen. Dazu sei sie zunächst per Zug über Moskau und Brest nach Terespol in Polen eingereist. Die Weiterreise erfolgte mit einem Taxifahrer, dem sie 400 Dollar zahlte. Der setzte sie an einer Straße ab, wo dann "zufällig" der Mann aus Grosny mit seinem Fiat stoppte. "Zufällig kommt einer daher, der zufällig Tschetschene ist und zufällig nach Frankreich will", fasst Richter Matthias Bauer zusammen. Bezahlt habe sie nichts, sagte die Frau bei der Waidhauser Bundespolizei. Auch der Fahrer gab an, die beiden aus reiner Gutmütigkeit mitgenommen zu haben. Das Navi im Auto zeigte nach Auskunft des Waidhauser Bundespolizisten noch 900 Kilometer bis zum Ziel an. Das passt zu Frankreich.

Am Ende doch Frankreich

Der Fahrer ging in Abschiebehaft und wurde später zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Mutter und Sohn wurden dagegen bis zu ihrer Rückführung in einer Pension bei Waidhaus einquartiert. Von dort verschwanden sie nach einigen Tagen spurlos. "Wohin?", will Vorsitzender Richter Walter Leupold wissen. "Wir vermuten natürlich, dass sie in Frankreich sind", erklärte der Polizist. Diese Fahrt soll laut Anklage von Staatsanwalt Christian Härtl einer der Angeklagten, ein 40-Jähriger Landsmann, wohnhaft in Schöneberg, in Auftrag gegeben haben.

Zu ihrem Ehemann nach Frankreich wollte die Frau, die der Polizeiinspektion Fahndung im November 2013 bei Leuchtenberg ins Netz ging. Sie hatte drei Kinder dabei (2, 5 und 7 Jahre). Mit im Auto: zwei Fahrer, beide russische Staatsbürger mit tschetschenischer Volkszugehörigkeit, die ihren Wohnsitz bereits in Frankreich hatten. Einer war kooperativ, berichtete der Bundespolizist: "Er habe die Familie im Auftrag des Ehemannes mitgenommen. Gegen nix. Ohne Bezahlung. Er sei eh in Polen gewesen, um Kfz-Teile zu übermitteln." Laut Anklage soll die Schleusung der jüngste Angeklagte, ein 28-Jähriger aus Grosny, in Auftrag gegeben haben.

Vernehmung in Polen

Diskussionsthema zwischen Vorsitzendem Leupold und den Anwälten war die Vernehmung von vier polnischen Fahrern. Interessant wäre besonders die Aussage eines Polen, der im Auftrag der Angeklagten sechs Touren über die A 15 nach Berlin erledigt haben soll. Vor Gericht in Weiden ist er trotz wiederholter Ladungen nicht erschienen. Die Strafkammer will die Zeugen kommissarisch in Polen vernehmen lassen. Anwalt Christoph Schönhofer regte eine audiovisuelle Vernehmung an, um sein Fragerecht ausüben zu können. Immerhin handelt es sich um Belastungszeugen. Es reiche ihm nicht aus, den polnischen Beamten einen Fragenkatalog zu übermitteln. Seine elf Kollegen schlossen sich an.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.