Dort sein ist alles

Weinlesefest 2014

Die Regeln beim Preisrätsel des Wein-Lese-Fests sind eindeutig: Nur wer anwesend ist, bekommt seinen Preis. Da wird schnell aus einem Glückspilz ein Pechvogel. Besonders hart traf es heuer zwei Personen.

Er hat einfach zu lange gebraucht und nun gibt es auch noch Ärger mit der Ehefrau. Jürgen Festbaum war einer der Pechvögel des 20. Wein-Lese-Festes am Samstag in der Regionalbibliothek. Der Altenstädter war damit aber einer der ganz wenigen Enttäuschten, denn die Veranstaltung hinterließ fast nur fröhliche Gesichter.

Knapp 3000 Besucher drängten sich am Nachmittag und Abend durch die Gänge der "Regi". "Es war wieder eine super Stimmung. Wir sind sehr zufrieden", sagt Sabine Guhl. Die Leiterin der Regionalbibliothek muss es wissen, hat sie doch reichlich Vergleichsmöglichkeiten. Denn sie ist schon seit 20 Jahren dabei. "Das hat sich zu einem kleinen Bürgerfest im Herbst entwickelt. Man trifft Leute, die man das ganze Jahr über nicht sieht."

Geschichte wiederholt sich

Neben dem Unterhaltungsprogramm lockt vor allem das Preisrätsel die Besucher in die "Regi". Dicht gedrängt stehen um 19 Uhr zahllose Besucher um die Treppe. 539 haben sich an das Rätsel gewagt, 440 haben es richtig gelöst. Alle hoffen auf einen der 22 Preise. Und dabei wiederholt sich die Geschichte vom Vorjahr: Die Hauptgewinnerin ist nicht da. Die Anwesenden atmen auf. Sie bekommen eine neue Chance. Schließlich freut sich Bianca Rösel aus Parkstein über das Ghost-Bike.

Seinen Preis, eine Halskette mit Anhänger, hat vorher schon Jürgen Festbaum verspielt. Denn er ist noch zu Hause in Altenstadt. Da hilft es auch nichts, dass seine Frau Andrea in der Menge steht. "Die Kette hätte mir super gefallen. Leider ist mein Mann nicht rechtzeitig fertig geworden und so bin ich mit meiner Schwester hergefahren", erzählt Andrea, die ihren Mann sofort am Telefon von seinem Missgeschick unterrichtet.

Zum Trost feiert sie nun mit ihrer Schwester: "Fundamental Soul Thunder", mit Andrea "Bibi" Bibel an der Spitze, liefern unverfälschten Soul. "Das war ein positiver Abend auf einem guten Niveau", sagt Guhl. Erst gegen 1 Uhr gehen die letzten Gäste. Bis dahin haben die Helfer vom Förderverein "Pro Libris" und die Mitarbeiter der "Regi" einiges zu tun.

Schon am Nachmittag strömen die Kinder mit ihren Eltern in die Bibliothek. Die "King Size Juniors" eröffnen mit Pauken und Trompeten. Diesen Schwung nimmt auch das Nachtgespenst von "Hermanns Kasperltheater" und der "Zauberer vom Hexenberg" mit. Die Kleinen stürmen regelrecht ihre Vorstellungen. Das gleiche Bild bietet sich beim Manga-Workshop. Christine Coscin führt die Jugendlichen in diese Zeichenkunst ein. Währenddessen entkorken im Erdgeschoss die Helfer die ersten Weinflaschen und Angelo Palazzotto liefert dafür italienische Musik zum Träumen.

Ganz billiger Sprit

Ob sie damit rechnete, ist nicht bekannt. Aber die Kartenlegerin Manuela Manzoni muss Überstunden machen. Noch am Abend stehen die Besucher an. Derweil liest Heike Praschel aus ihrem Buch "Weltenbummler". Mit ihrem Mann und drei Töchtern war sie in einem umgebauten Lastwagen in zweieinhalb Jahren 60 000 Kilometer und auf drei Kontinenten unterwegs. Dabei erfahren die Zuhörer vom "Schrauber-Paradies" Iran: sehr günstige Autoteile und der Liter Diesel kostet unter zwei Cent.

Nach der kleinen Weltreise geht es zurück nach Bayern. Autorin Tessa Korber lässt in Nürnberg einen Serienkiller sein Unwesen treiben. Der Krimi dreht sich um eine Bestatter-Familie. Für ihr Buch hat sie sich auch mit diesem Berufsstand getroffen und sie stellt fest: "Das sind alles sehr humorvolle Leute."

Für die "Regi" war die Mega-Fete ein vorläufiger Abschied von den Besuchern. Denn die Bibliothek wird im Foyer umgebaut. Ab 2. Dezember kümmern sich Automaten um die Ausleihe. Das ändert aber nichts für das Wein-Lese-Fest. Auch bei der 21. Auflage im nächsten Jahr zählt: Nur wer persönlich da ist, hat die Chance auf einen Preis.

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Eine Bildergalerie finden Sie im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/weinlesefest2014
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