Duldung in Weiden rettet Leben

AK-Asyl-Vorsitzender Jost Hess (Zweiter von rechts) lehnt die Abschiebung der Sinti und Roma in die Herkunftsländer am Balkan ab. Auf Einladung von Alois Wolfram (Vierter von links), dem Vorsitzenden der SPD AG 60plus, informierten über die Arbeit des AK-Asyl auch Pfarrer Hans-Peter Paukstadt-Künkler (rechts) sowie Veit Wagner (Dritter von rechts). Bild: Dobmeier

Bei der Jahresplanung der SPD AG 60 Plus im Februar war es noch ein "normaler" Termin. Die aktuelle Entwicklung aber machte die Vorstellung des AK Asyl in dieser Woche zu einem hochpolitischen Thema.

Der Arbeitskreis Asyl ist wichtiger denn je. 120 bis 130 Asylbewerber mit Kindern leben in der Kasernenstraße im Camp Pitman, erläuterte Veit Wagner als langjähriger Unterstützer der Hilfsorganisation. Der Stadtrat hat dem Arbeitskreis Asyl das Vertrauen ausgesprochen, zusammen mit dem städtischen Ausländeramt und den örtlichen Wohlfahrtsverbänden die Ankunft der Flüchtlinge zu organisieren und diese zu betreuen. Die Diakonie stellt eine Halbtagsstelle, um direkt vor Ort Hilfe zu leisten.

Vor rund 40 Gästen im Bräustüberl erinnerte Veit Wagner an die Situation von 1985, als im Schwesternheim in der Leimberger Straße Flüchtlinge aus Iran, dem Libanon und Ghana Zuflucht suchten und wenig Akzeptanz fanden. "Es hat sich in der Gesellschaft etwas in den fast 30 Jahren getan", zeigte sich Wagner erfreut. Der AK Asyl klärte damals wie heute die Flüchtlinge über Rechte und Pflichten auf. In der Europaberufsschule gebe es inzwischen drei Klassen für Asylbewerber bis 27 Jahre, damit sie im Beruf Fuß fassen können.

Sprache sei das Wichtigste, erkannte Pfarrer Hans-Peter Paukstadt-Künkler. Mit ehrenamtlichen Helfern versuche man beispielsweise in Gruppen die deutsche Sprache zu lernen.

Großvater enthauptet

"Warum kommen die Menschen aus dem Nordirak und Syrien?", fragte Jost Hess als AK-Asyl-Vorsitzender und gab gleich die Antwort: Terrorismusorganisationen wie die IS seien dafür verantwortlich. Vor zwei Jahren stand eine Familie aus dem Nordirak vor der Ausweisung und nur eine Duldung in Weiden rettete vermutlich deren Leben. Der Großvater wurde enthauptet und die Brüder erlitten das gleiche Schicksal oder die Verschleppung. Die ganze Familie sei nun traumatisiert. Die Glaubensgemeinschaft der Jesiden sind in höchster Lebensgefahr aufgrund der Bedrohung durch die Terrormiliz islamischer Staaten.

Wenn der Balkan zukünftig als sicheres Herkunftsland gilt, hätten Sinti und Roma in Zukunft keine Aussicht mehr auf ein Asylverfahren in Deutschland, erläuterte Hess. "Obwohl die Gruppen mit Füßen getreten werden, keine Gesundheitsversorgung und ihre Nachkommen keine Schulbildung erhalten und in der Gosse leben müssen - und das in Europa." Willkürliche Vergewaltigung von Frauen stehe auf der Tagesordnung.

Die Ursachen in den Herkunftsländern bei der Wurzel packen, sahen die Senioren in der Diskussion als zielführend. Auch die EU müsse mit Sanktionen auf dem Balkan eingreifen um die Sinti und Roma zu unterstützen.

Spontane Spende

Eine Spende von 100 Euro sammelten die SPD-Senioren in der Versammlung und Jost Hess bedankte sich für die Solidarität, die den Kindern in Camp Pitman zugutekommen wird.
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