Durchs (Inter-)Netz gefallen

Kein Anschluss unter dieser Nummer - und das fast zehn Wochen lang. Christiane Bickham zählt zu den "Einzelfällen", die bei der Umstellung der Telekom auf die neuen IP-Verbindungen quasi durchs Netz gefallen sind. "Das ist frustrierend."

Weiden. (ps) Die 58-Jährige ist Vertretungslehrerin an der Elementary School in Grafenwöhr. Deshalb gilt: "Wenn ich dringend gebraucht werde, muss ich telefonisch erreichbar sein." Der Ausfall des Festnetz-Telefonanschlusses war somit auch aus beruflicher Sicht problematisch. "Anfangs hatte die Schule meine Handynummer nicht. Mein Mobiltelefon ist eigentlich nur für Notfälle gedacht." Deshalb hat die Lehrerin ein Prepaid-Handy. Doch das kommt bei ständigem Gebrauch teuer.

Alte Nummer gelöscht?

Internet und Festnetz-Telefon des Ehepaares Bickham in Neunkirchen sollten laut Telekom eigentlich am 5. Dezember auf das IP-System umgestellt werden. Genauso wie bei dem Ehepaar Anneliese und Georg Hubmann, das letztlich fast sieben Wochen ohne Anschluss war (der NT berichtete). Bei Christiane und David Bickham funktionierte zwar der Internetanschluss für den PC: "Da hat uns ein Freund geholfen, der früher bei der Telekom war."

Der wollte auch den IP-Telefonanschluss einrichten, scheiterte jedoch trotz seiner Fachkenntnisse. "Er hat bei der Telekom-Hotline angerufen. Eine Dame hat gesagt, er müsse das so und so machen. Aber das hat nicht funktioniert, nicht einmal als sie es selbst probiert hat." Die Dame wollte weiter recherchieren. Ein Rückruf per Hotline trudelte ein. "Da hieß es, unsere alte Hauptnummer wurde eventuell gelöscht." Mehr passierte zunächst nicht.

Christiane Bickham hakte mehrfach nach. Schließlich erhielt sie ein Schreiben, in dem die Telekom anbot, sie könne sich kostenfrei informieren unter folgender Telefonnummer: ........ Das Feld war leer! Keine Telefonnummer. Also rief die 58-Jährige bei der Rufnummer an, die sich am Fuß des Briefes fand. "Der Herr war richtig frech und ungezogen", berichtet sie. "Sie sind hier falsch, hat er dann gesagt." 45 Minuten hatte Christiane Bickham für diese Auskunft in der Warteschleife verbracht - und wurde weiter verwiesen: Diesmal 30 Minuten Warteschleife. Dann die Auskunft einer netten Dame, die Festnetzgespräche könnten aufs Handy weitergeleitet werden. Das koste 20 Euro! Ein weiteres Gespräch mit einem Techniker brachte keine Lösung für den IP-Anschluss.

Ab 19. Januar herrschte Sendepause - bis 12. Februar. Seitdem ist sie endlich wieder per Festnetz-Telefon erreichbar. Was die 58-Jährige dennoch ärgert: "Auf meine Briefe kam wochenlang keine Antwort. Die reagierten einfach nicht mehr. Wir sind schon immer bei der Telekom, hatten früher nie Probleme. Aber das hat den Vogel abgeschossen." An Weihnachten konnte das Ehepaar die Verwandten in den USA nicht anrufen. Besonders bedauerlich ist das bei dem 92-jährigen Onkel, der per E-Mail nicht erreichbar ist.

Fast sechs Wochen ohne Telefon. Darüber ärgerte sich auch Dr. Wolfgang Gebel aus Eschenbach, der sich ebenfalls beim "Neuen Tag" gemeldet hat. "Auf meinem Privatanschluss war ich für meine Patienten nicht erreichbar. Dabei sollen sie sich - zum Beispiel nach Operationen - unbedingt bei mir zu Hause melden." Vergeblich wartete er auf einen Techniker. Im Telekom-Laden habe es noch geheißen, die Umstellung laufe völlig unproblematisch. Was dem Zahnarzt ein besonderer Dorn im Auge ist: "Bei der Service-Hotline kommt man nicht durch, und falls doch wird man von einem zum anderen verwiesen." Gelöst habe sein Problem letztlich eine Bekannte, die technisch versiert sei. Nicht die Telekom selbst.

60 000 Kunden pro Woche

Hubertus Kischkewitz, Pressesprecher der Telekom, wirbt um Verständnis: "Wir stellen derzeit jede Woche 60 000 Kunden auf die IP-Plattform um, damit wir unseren Kunden ein zukunftsfähiges Netz bieten können." In der großen Mehrzahl der Fälle funktioniere das reibungslos. "Umso mehr bedauern wir jeden einzelnen Fall, bei dem es zu Verzögerungen und Störungen in der Umstellung kommt. Wir können die Verärgerung beim Kunden nachvollziehen." Jeder Fall könne eine andere Ursache haben. Bei dem Ehepaar Bickham hätten die Techniker letztlich ein Schnittstellenproblem als Ursache ausfindig gemacht. "Die zu Unrecht bezahlten Gebühren werden selbstverständlich erstattet."

Immerhin würden bis 2018 rund 20 Millionen Kunden auf die IP-Plattform umgestellt, verweist Kischkewitz auf gewaltige Zahlen. Für den, den der Telefonausfall trifft, vermutlich nur ein kleiner Trost.
Weitere Beiträge zu den Themen: Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.