Edwin Nikolitz ist einer von sechs Postbeamten, die weiter Dienst tun - Das sorgt für besonders ...
Exot mit Horn auf dem Rücken

Er trägt weder grünes Haar noch große Piercing-Ringe in der Nase. Trotzdem hat er in diesen Tagen das Zeug dazu, zum Hingucker in Weiden zu werden. Verantwortlich dafür ist das Horn, das seinen Rücken ziert und Edwin Nikolitz als gewöhnlichen Postboten kennzeichnet. Denn der gewöhnliche Postbote ist in Zeiten des unbefristeten Poststreiks ein außergewöhnliches Erscheinungsbild in der Stadt.

Sechs Beamte gibt es am Zustellstützpunkt Weiden (Stadt Weiden und angrenzendes Umland), weiß stellvertretender Verdi-Betriebsgruppenleiter Matthias Than. Sie "und einige wenige Streikbrecher" sind beim Arbeitsausstand seit Donnerstag, 11. Juni, außen vor. Deshalb stecken sie in ihrem jeweiligen Zustellbereich unbeirrt weiter Post in die Briefkästen. Nikolitz tut das wacker in seinem Bezirk, dem Stadtkern.

Dabei muss er eines feststellen: Es gibt zwei Parteien. Die einen wüssten gar nichts vom Streik hier. "Die sehen mich hier flitzen wie sonst auch und denken, in Weiden läuft alles wie immer." Die anderen aber haben wohl die gähnende Leere in ihrem Briefkasten zur Kenntnis genommen - und sind gar nicht erfreut: "Die Stimmung wird zunehmend aggressiver." Weil Rechnungen auf sich warten lassen? "Das nicht. Aber es fehlt zum Teil ,Der neue Tag' oder die Wochenzeitschrift. Und das finden die Betroffenen gar nicht lustig." Trotzdem lässt sich Postbote Nikolitz die Freude an seiner Tour durch die Fußgängerzone zwischen Josef-Witt- und Schlörplatz nicht verderben. "Ich bin gern für die Kunden da."

Zumindest dürfte für ihn nicht allzu viel Mehrarbeit wegen der streikenden Kollegen anfallen. Das mutmaßt Than von der Gewerkschaft: "Denn aktuell werden auch die Briefzentren Bayreuth und Amberg bestreikt." Sprich: Wird dort kaum mehr sortiert, landet auch kaum Post in Weiden bei Nikolitz und den anderen Staatsdienern. "Von wegen", widerspricht der "Beamte mit Leib und Seele". Überall würden einige Staatsdiener fleißig weiter Dienst tun und für Briefnachschub sorgen.

Nikolitz ist seit über 25 Jahren bei der Post tätig. Eine Streikphase erlebt er zum ersten Mal. "Zuletzt hatte ich gerade Urlaub." Entspannt herumliegen, das tun derzeit andere: die Briefe und Postkarten für die Bürger der Max-Reger-Stadt. Und zwar massenweise. "Da wurden extra Hallen zur Zwischenlagerung der Post angemietet", informiert Than von Verdi. Leeren werden die Hallen wohl Postbeamter und -angestellter wieder gemeinsam. Wann, bleibt unklar.

Nikolitz aber schreckt das nicht. Er pilgert weiter mit dem Postwagen durch die Altstadt, grüßt freundlich und verteilt Briefe. Sein Kollege im Heimatort im südwestlichen Teil des Landkreises Neustadt macht's genauso. "Privat bekomme ich nämlich noch Post", sagt Nikolitz. "Aber ich vermute fast, dass sich das Streikgebiet bald auch bis zu mir ausdehnen wird."
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