Ehemalige Hausmeisterwohnung wird vorübergehend Unterkunft für unbegleitete Minderjährige
Rathaus öffnet Türen für Flüchtlinge

Die Betten stehen schon, bald dürften auch die jungen Flüchtlinge kommen: Die Stadt stellt ihnen die Hausmeisterwohnung beim Neuen Rathaus zur Verfügung, wie Jutta Häusler vom Amt für Gebäudemanagement und Sozialdezernent Hermann Hubmann erläutern. Bild: Steinbacher
Der Nachbar im Stockwerk drüber heißt Rechtsamt, von einem der Schlafzimmer geht der Blick hinaus zu den Büros der Veterinäre: Nachdem sie ihre Heimat ohne Eltern wegen Krieg oder Not verlassen haben, wird das das neue Zuhause für bis zu zehn junge Flüchtlinge. Die Stadt wandelt die Hausmeisterwohnung im Neuen Rathaus in eine Unterkunft für minderjährige Neuankömmlinge um.

Es dürfte Seltenheitswert haben in Bayern, dass ein Rathaus seine Türen für Flüchtlinge öffnet. Sozialdezernent Hermann Hubmann ist jedenfalls kein weiterer Fall bekannt. In Weiden haben sie dafür aber einige Gründe, weshalb der Oberbürgermeister sich schließlich zu diesem Schritt entschloss: Zum einen wird die 100-Quadratmeter-Wohnung als Dienstunterkunft für einen Hausmeister seit Frühling nicht mehr gebraucht. Ab 2016 sollen in den Räumen Büros entstehen. Bis dahin, also bis Jahresende, bietet sich nun die Zwischennutzung an. Zum anderen ist eine Wohnung für eine größere Gruppe günstiger - die jungen Flüchtlinge können gemeinsam betreut werden - und für die Verwaltung flexibler: So hat sie mit der stadteigenen Unterkunft auch eine Möglichkeit, kurzfristig zu reagieren. Wenn etwa wieder ohne viel Vorwarnzeit unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in die Stadt kommen. Wobei zwar offen ist, wann das der Fall sein wird. Dass sie kommen werden, ist aber sicher. "Und dann wollen wir sie ordnungsgemäß unterbringen", wie Hubmann sagt. Die Wohnung ist dafür jedenfalls prädestiniert, bestätigt Jutta Häusler. "Guter Zustand, sehr lichtdurchflutet", sagt die Leiterin des Amts für Hochbau und Gebäudemanagement.

"Unkonventioneller Weg"

Tatsächlich braucht es gar nicht mehr so viele Vorbereitungsarbeiten. Die fünf Doppelbetten in den drei Schlafzimmern stehen bereits. Auch der Gemeinschaftsraum ist schon bestuhlt. Daneben gibt es Küche, Bad, separates WC und eine Terrasse. Weil die Wohnung einen eigenen Zugang hat, dürften die Rathausbesucher nicht zu viel von den neuen Bewohnern mitbekommen, die ihrerseits zumindest ein wenig abgeschottet sind von dem Treiben. Trotzdem bleibt die Unterbringung im Rathaus natürlich "ein unkonventioneller Weg", wie Hubmann sagt. Er selbst wird ihn aus nächster Nähe verfolgen, schließlich ist er auch fürs Rechtsamt zuständig. Und - noch so ein Aspekt der ungewöhnlichen Bleibe - dadurch bekommen die jungen Leute ihn und die anderen Rathausmitarbeiter nach ihrer Flucht gleich mit, als Nachbarn. Von Amts wegen.
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