Ehemaliger Juniorenweltmeister und Komplizen sollen 36 Kilo Marihuana verschoben haben: 31 ...
Drogensumpf statt Fußballerkarriere

Einer von ihnen war Fußballweltmeister im Juniorenbereich. Inzwischen hat er jedoch einen harten Abstieg hinter sich: Langjährige Freiheitsstrafen fordert Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl im Prozess gegen drei tschechische und einen deutschen Drogentäter. Am Mittwoch plädierten auch die Anwälte. Sie halten erheblich geringere Ahndungen für ausreichend, weil sich ihre Mandanten schon im Ermittlungsverfahren kooperationsbereit gezeigt hatten, weil zwei von ihnen selbst schwer abhängig seien und weil es sich bei Marihuana um eine "weiche" Droge handele. Am Freitag um 11 Uhr wird Landgerichtspräsident Walter Leupold das Urteil verkünden.

Von Herbst 2013 bis zur Ergreifung Ende März dieses Jahres lieferten die Tschechen insgesamt 36 Kilo Marihuana an einen Regensburger. Ein 33-Jähriger übernahm dabei die Beschaffung im Raum Pilsen. Ein 41- und ein 50-Jähriger fungierten als Kuriere. Der Deutsche, ein 30-Jähriger, sorgte im Raum Regensburg für den Vertrieb des - nach einem Gutachten - extrem "starken" Stoffes.

Aussichtsreiches Talent

Dr. Thomas Wenske, der stellvertretende Chefarzt der Klinik für forensische Psychiatrie der Universität Erlangen, attestierte dem Regensburger und dem tschechischen Aufkäufer einen schweren Hang zu Drogen, weshalb sie voraussichtlich während ihrer zu erwartenden Inhaftierung zum Entzug in eine Klinik kommen werden. Der Tscheche, so berichtete Wenske in seinem Gutachten, hatte sich durch seine Sucht um eine aussichtsreiche Fußballerkarriere gebracht. Er war schon als 18-Jähriger im Jahr 2000 mit der tschechischen Nationalmannschaft Junioren-Weltmeister geworden. Auf dem Weg zum Profi folgten Engagements in Karlsbad, Österreich und Deutschland. 2005 kam aber das Aus der Profi-Karriere: Alkohol, Kokain und Marihuana hatten das hoffnungsvolle Talent ruiniert.

18 bis 24 Monate wird eine Therapie in Anspruch nehmen, prognostizierte Wenske. Staatsanwalt Härtl plädierte auf siebeneinhalb Jahre für den früheren Fußballer und auf zehn Jahre für den Regensburger. Die beiden Kurierfahrer sollten mit siebeneinhalb und acht Jahren "bedient" werden. Die Anwälte des älteren Fahrers, Peter Kanev (Alten-Busek), und des jüngeren, Dr. Gunther Haberl (Schwandorf), hielten dagegen, dass es sich um "spontane Fahrten" gehandelt habe. Also keine "Bande" am Werk gewesen sei. Auch der liberalere Umgang mit Drogen in Tschechien und die sofortige Kooperationsbereitschaft ihrer Mandanten nach der Ergreifung sollten mildernd berücksichtigt werden.

Nicht vorbestraft

Dreieinhalb und sechs Jahre genügten. Rechtsanwalt Helmut Mörtl (Regensburg) plädierte auf weniger als sechs Jahre für den deutschen Abnehmer des Rauschgifts. Rechtsanwalt Shervin Ameri (Regensburg) auf fünfeinhalb Jahre für den 33-jährigen ehemaligen Sportler. Alle vier waren vor den angeklagten Taten nicht vorbestraft.
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