"Ehrenamt wird abgewürgt"

Erst schossen die Schützen wegen der hohen Mietforderung verbal gegen die Stadt, dann folgte die Auszeichnung verdienter Mitglieder (vorne mit Urkunden): Alfons Landgraf, Bernhard Czichon, Dominik Klein, Karl-Heinz Klein. Links im Bild Kreisschießwart Karlheinz Klein, rechts Kreisvorsitzender Claus Fiedler. Bild: hcz

Attacke vom Bayerischen Soldatenbund: Gemeinsam mit einigen Stadträten beklagen die Verantwortlichen hohe Mietzahlungen. Adressat der Kritik ist die Stadt.

"Stets wird das Ehrenamt gelobt", stellte Stadtrat Alois Lukas bei der Kreisjahreshauptversammlung des Bayerischen Soldatenbunds (BSB 1874) fest. "Aber wenn's drauf ankommt, will die Stadt nichts, aber auch gar nichts mehr für die Vereine tun." Die Gemüter kochten hoch beim Treffen in der "Almhütte".

Grund: Zum 31. Dezember müssen alle fünf Soldatenkameradschaften die Traditionsräume in der Asylstraße räumen. Die Miete, die nach dem Verkauf durch die Stadt an einen Investor erhoben wird, können sie nicht mehr bezahlen. Einst hatte die Stadt ihnen die zwei kleinen Räume kostenlos überlassen. Wohin mit acht historisch wertvollen Fahnen, vielen Urkunden, Bildern und maritimen Erinnerungsstücken?

Antrag auf Prüfung

"Obwohl alle Hausmeisterwohnungen im Besitz der Stadt Weiden leerstehen, weiß man bei der Stadtverwaltung angeblich nichts von leeren Räumen", sagte Lukas. Er könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das bei der Stadt gerade eingerichtete Gebäudemanagement "null Ahnung" habe. "Wer die Vergangenheit tot macht, hat keine Zukunft", so Lukas, der als Vorsitzender des Oberpfälzer Waldvereins ähnliche Erfahrungen mit der Stadtverwaltung gemacht habe.

Stadtrat Hans Forster (CSU) schloss sich der Kritik an: "Wie gelebtes Ehrenamt abgewürgt wird, ist beschämend". Zusammen mit Stadtrat Alois Schinabeck (SPD) versprach Forster, einen Antrag einzureichen, wonach die Verwaltung beauftragt wird, die Platzfrage zu prüfen. "Auf jedem Dorf wird mehr für die Soldaten- und Traditionsvereine getan als in Weiden", zürnte Kreisschießwart Karlheinz Klein. Von Bernhard Czichon kam die Anregung, dass der einzig passende Platz für die Fahnen und die anderen historisch wertvollen Sachen das Stadtmuseum sei.

Die Diskussion um die Traditionsräume, die Oberbürgermeister Hans Schröpf seinerzeit Hans Kohl, dem damaligen Kreisvorsitzenden, mietfrei überlassen hatte, war der zeitraubendste, jedoch nicht der einzige Punkt der Hauptversammlung des BSB-Kreisverbands. 590 Mitglieder aus fünf Soldatenkameradschaften gehörten ihm an, berichtete Kreisvorsitzender Claus Fiedler. Dies seien die "Technischen Truppen" (109 Mitglieder), die "7er-Kameradschaft" (253), die "Soldatenkameradschaft 1883 Rothenstadt" (127), der "Soldaten- und Kameradschaftsverein 1897 (88) und die Marinekameradschaft (13).

Hoher Leistungsstand

Fiedler berichtete von der Teilnahme der Gemeinschaften an den Veranstaltungen der Stadt, von geselligen Veranstaltungen, von den Schießwettbewerben und von der Landesversammlung des BSB in Auerbach, die mit einem gelungenen Fest anlässlich des 140-jährigen Bestehens verbunden war. Bei dieser Gelegenheit habe sich auch der neue BSB-Präsident, Oberst a. D. Richard Drexl, vorgestellt.

Kreiskassier Josef Lang erklärte in seinem Finanzbericht noch einmal, wie sehr die neue Miete die ohnehin klamme Kasse belaste. Über die Aktivitäten der Schützen im Kreisverband berichtete Kreisschießwart Karlheinz Klein. Der hohe Leistungsstand zeige sich an zahlreichen Erfolgen beim Kreis-, Landes- und Bundesschießen. Beim Fernrundenwettkampf habe sich leider nur eine der Weidener Kameradschaften beteiligt. Aber es sei doch ein erster Platz belegt worden. Dominik Klein habe in der Jugendklasse mit der Luftpistole gesiegt.

Für "besondere Verdienste um das Sportschützenwesen im BSB", so der Urkundentext, verlieh Klein dem Schützen Bernhard Czichon das Verdienstabzeichen in Bronze. In Silber erhielt Karl-Heinz Klein, Vater des Kreisschießwarts, das Verdienstabzeichen. Fiedler, Klein und Bezirksvorsitzender Horst Embacher zeichneten für besondere Verdienste um den Verband den Vorsitzenden der Kameradschaft 1883 Rothenstadt, Alfons Landgraf, mit dem Großkreuz am Bande aus. Embacher betonte die "gute ehrenamtliche Arbeit im Kreisverband Weiden" für "Vaterland, Heimat und die Gemeinschaft". Heimatring-Vize Norbert Uschald lobte die Pflege der Tradition, die sich, wie man an Familie Klein sehe, fortsetze.
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