Ehrgeiz anknipsen

Steckt die Stadt genug Energie in die Energiewende? Grünen-Stadträtin Gisela Helgath meint Nein. Und wagt einen überraschenden Vorstoß.

10 Prozent ihres Energiebedarfs deckt die Stadt Weiden mit regenerativen Energien. Tendenz steigend. Aber zu langsam steigend, rechnet Gisela Helgath vor: Der Stadtrat werde sein selbstgestecktes Ziel - 77 Gigawattstunden (Gwh) aus regenerativen Quellen im Jahr 2050 - um etwa 25 Gwh verfehlen. "Wir müssen also mehr Strom einsparen oder mehr tun", fordert die Grüne am Dienstag im Hauptverwaltungsausschuss. Und sie präsentiert kurzerhand auch gleich einen Antrag dazu: Die Stadt soll einen "Energiemanager" einsetzen, der konkrete Maßnahmen in einen Masterplan bündelt und sich um dessen Umsetzung kümmert. Kostenpunkt: 70 000 Euro. In Sachen Energiewende "sind wir auf einem Weg", sagt Helgath. "Aber wir wissen nicht, ob es ein guter ist."

Dafür gibt's erstmal keinen Beifall. Stattdessen einen Rüffel vom Sitzungsleiter, Bürgermeister Jens Meyer: Die Grünen hätten zur Sitzung lediglich einen Bericht zur Umsetzung des Energiekonzepts gewünscht. Den Antrag jetzt derart zu erweitern, "ist nicht ehrlich". Inhaltlich setzt es dagegen kaum Widerspruch. Auch der etz-Geschäftsführer betont, es bräuchte den Kümmerer. Aber ist er auch bezahlbar? Rainer Sindersberger (Bürgerliste) verneint: "So wünschenswert das wäre - in unserem Haushalt wäre das weder darstellbar noch unterzubringen." "Das Geld haben wir nicht", stimmt Heiner Vierling (CSU) zu. Zu "ein bisschen mehr Selbstvertrauen" ermuntert Meyer: "Ich glaube an den technischen Fortschritt. Bis 2050 passiert schon noch einiges."

Tatsächlich findet beispielsweise Gabi Laurich (SPD) durchaus beeindruckend, was die Stadt seit 2009 für die Energiewende unternommen hat. "Und alles auf einmal kann man nicht machen." Aktuell verhandelt Rösch mit den Landkreisen bezüglich eines gemeinsamen Biomassekraftwerks. Für Helgaths Anliegen schlägt Meyer einen Kompromiss vor: Der Ausschuss möge dem Finanzausschuss empfehlen, das Geld für den Energiemanager in den Haushalt 2016 einzustellen. Einstimmig angenommen. An den Erfolg glaubt der Bürgermeister wohl nicht: "Da werden uns ohnehin die Augen tränen bei den Haushaltsberatungen."
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