Eigene Rezepte für kleine Patienten

"Kinderheilkunde hat als Spezialfach längst Anerkennung gefunden", erklärte Dr. Susanne Rinnert. Die Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums am Klinikum Weiden (Mitte) stellten Klinikvorstand Josef Götz (links) und Personalchef Martin Neuhaus vor. Bild: sbü

Kinderärzte brauchen spezielle Ausbildungen und Kenntnisse. Eine Erkenntnis, die sich in der Medizin erst spät durchsetzte. Lange war die Kinderheilkunde nur ein Anhängsel der allgemeinen Medizin. Doch kleine Patienten sind ganz besondere Patienten.

"Wie kriege ich Eltern und Kinder dazu, die verschriebenen Tabletten zu nehmen?" Dies sei eine der schwierigsten Aufgabenstellungen der Kinderärzte, berichtete Dr. Susanne Rinnert, Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums am Klinikum Weiden. "50 Prozent der Dauermedikationen landen im Müll."

"Anders als Erwachsene - warum Kinder eigene Ärzte brauchen": So hieß der Vortrag, den Dr. Rinnert bei der Reihe "Medizin damals und heute" hielt. In der Sprechstunde habe es der Kinderarzt stets nicht nur mit dem Patienten Kind, sondern auch mit seinen Eltern, manchmal sogar auch den Großeltern zu tun. Und die Eltern fragten selten nach der Wirksamkeit des Präparats, sondern viel häufiger nach den Nebenwirkungen. Die Kunst des Kinderarztes sei es, mit viel Einfühlungsvermögen die jeweiligen Interessen zu erkennen und die Behandlungsziele zu erreichen. "Im SPZ in Weiden haben wir deshalb nicht Sprechminuten, sondern im wahrsten Sinn des Wortes Sprechstunden für Kinder und Eltern."

Für Diagnostik, Beratung und Therapie würde im Weidener SPZ, entsprechend dem gesetzlichen Auftrag, sehr viel Zeit aufgewendet. Dass dies für Kinder als Patienten auch erforderlich sei, machte Dr. Rinnert anhand zahlreicher Beispiele deutlich. "Kinder sind sehr sensibel, wir müssen deshalb ganz genau darauf achten, das Vertrauen des Kindes zu gewinnen." Jedes Alter erfordere meist andere Vorgehensweisen. "Beim Teenager ist Kranksein nicht schick", während das Kleinkind eventuell die besondere Liebe und Zuneigung im Krankheitsfalle genieße.

Klare Impf-Empfehlung

Viel Beruhigendes formulierte Dr. Rinnert an die Adresse der jungen Eltern. Schulkinder-Epilepsie könne man gut mit dem EEG (Elektroenzephalographie) messen und auch medikamentös heilen. Impfen sei die wichtigste präventive Maßnahme gegen Kinderkrankheiten. Impfstoffe seien gut verträglich, Nebenwirkungen selten. Doch die Eltern müssten auch lernen, mit chronischen Erkrankungen ihrer Kinder im Alltag umzugehen.

Insgesamt habe die Kinderheilkunde große Fortschritte gemacht, vor allem in der Diagnostik und Behandlung von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten. Leider gebe es auch Vorwürfe, wie kürzlich in der Zeitschrift "Stern". Der Vorwurf: "Immer mehr Kinderärzte reden die Kinder krank." Für Dr. Rinnert haben diese Kritiker "zwar nicht ganz unrecht". Insgesamt sei sie aber davon überzeugt, dass die Kinderheilkunde auf dem richtigen Weg sei. Kinderärzte seien auch Entwicklungsratgeber.
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