"Ein absoluter Wachstumsmarkt"

Roland Köppel (Mitte), bis vor Kurzem Top-Manager bei Siemens-Medizintechnik, berichtete an der OTH über sein Spezialgebiet. Dekan Professor Dr. Franz Magerl (links) und Medizintechnik-Professor Dr. Clemens Bulitta hatten den Experten nach Weiden geholt. Bild sbü:

Viel Insiderwissen aus der Medizintechnik-Branche an der Hochschule. Dort gab es einen Vortrag von Roland Köppel. Er war bis vor Kurzem hochrangiger Manager bei Siemens Healthcare. Für die Studenten hatte er ein paar gute Nachrichten dabei.

(sbü) Der Weltmarkt für medizintechnische Produkte ist im Wandel. Noch vor 30 Jahren exportierte Deutschland 60 Prozent dieser Waren in die USA. Heute gehen nur noch 27 Prozent dorthin. Längst sind die Schwellenländer, vor allem auch Indien und China, als Abnehmer und als Konkurrent für deutsche Medizintechnik "wichtige Player auf dem Weltmarkt". Diese und andere interessanten Entwicklungen waren an der Hochschule beim Vortrag "Medizintechnik - Markt im Wandel: Chancen und Risiken am Beispiel bildgebender Verfahren" von Roland Köppel zu hören.

Innovationen entscheidend

Bis vor wenigen Monaten war Köppel Geschäftsführer von "Components and Vacuum Technology" bei Siemens Healthcare Kemnath. Köppel gab einiges aus seinem reichen Erfahrungsschatz an die Professoren und Studenten der Medizintechnik weiter. So zum Beispiel, dass sie sich in ihrem Fach um die Zukunft keine Sorgen machen müssten: "Sie arbeiten in einem absoluten weltweiten Wachstumsmarkt." Dieser werde bestimmt von der Geschwindigkeit, in der neue Innovationen auf den Markt kämen. Die Entwicklungszeit neuer Produkte liege bei sechs bis sieben Jahren. Rund zwölf Jahre bräuchten neue Technologien bis sie marktreif seien.

Köppel sprach vor allem die Rolle Deutschlands im Weltmarkt der Medizintechnik an. "Zwölf Prozent der weltweit verkauften medizintechnischen Produkte kommen aus Deutschland." Aber die Bundesrepublik habe es als Hochlohnland sehr schwer. "Wir müssen immer schneller als andere sein und auch immer die bessere Qualität liefern." China dränge vehement auf den Weltmarkt. Schon 6,5 Prozent des chinesischen Sozialprodukts entfalle auf die Medizintechnik.

Ein weiterer Teil des Vortrags betraf generelle Trends und Entwicklungen der medizintechnischen Branche. In Deutschland müsse man davon ausgehen, "dass das verfügbare Geld im Gesundheitswesen nicht ansteigen wird". Kostengünstige Lösungen seien gefragt, auch wegen des Absatzes in den Entwicklungsländern. Besonders bemerkenswert ist für Köppel, dass "die Ärzte immer seltener eine Kaufentscheidung treffen, sondern der Einfluss der Kaufleute und der Versicherungen ständig größer wird".

Sicherheit zählt

Neue Produkte müssten immer anwenderfreundlicher werden, denn "die Radiologen kennen oft nicht mehr die Technik". Schon würden Apps für das Smartphone erprobt, mit denen man Geräte bedienen könne. "30 bis 40 Prozent Zeitaufwand für Dokumentation" hält Köppel für angemessen, weil auch in Deutschland die regulatorischen Hürden, zum Beispiel wegen anstehender TÜV-Prüfungen, immer höher würden.

Am Ende zähle immer die Sicherheit für den Patienten und den Anwender. Und genau hier liege der Vorsprung Deutschlands gegenüber der asiatischen Konkurrenz. Röntgengeräte würden wegen der höheren Bildauflösung auch in Zukunft gebraucht, aber "wir haben die Dosis um den Faktor 10 bei vergleichbarer Bildqualität reduziert". Dies entspreche noch der Strahlenbelastung während eines Langstreckenflugs. Und Siemens sei hier Marktführer.
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