"Ein Angriff auf uns alle"

Zeichen der Einheit nach dem Schrecken: Alle bildeten bei der Solidaritätsveranstaltung einen Kreis und fassten sich an den Händen. Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler verlas dazu ein Gebet des Heiligen Franziskus. Bilder: uz(3)

Der evangelische Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler fand klare Worte: "Wir lassen uns unsere freiheitliche Grundordnung nicht kaputtbomben." In einer bewegenden Gedenkfeier und Solidaritätskundgebung für die Opfer der Anschläge in Paris demonstrierten Vertreter der Religionen ihren engen Schulterschluss.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, der zur Veranstaltung eingeladen hatte, betonte die Wehrbereitschaft der Demokratie. "Das Ganze hat weltkriegsmäßige Ausmaße angenommen." In seiner Rede ging der Rathauschef auf die engen Beziehungen Weidens zu seiner Partnerstadt Issy-les-Moulineaux ein. "Viele von uns waren schon dort."

In der Max-Reger-Stadt lebten Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen friedlich zusammen. "Darauf sind wir stolz." Seggewiß: "Wir sind offen gegenüber Fremden, die uns, wenn wir auf sie zugehen, schnell nicht mehr fremd sind. Wir stehen zu Vielfalt und Respekt vor den anderen. Wir leben Willkommenskultur." Und: "Wir verwahren uns auf das Entschiedenste dagegen, dass Terror und Gewalt unser Denken bestimmen, dass Extremisten jetzt Stimmung gegen Flüchtlinge machen."

Glocken läuten

Die Feierstunde wurde mit dem Glockengeläut aller Kirchen in der Innenstadt eröffnet. Die angemessene musikalische Umrahmung steuerte Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser bei. Veit Wagner vom Bündnis "Weiden ist bunt" erklärte die Terroranschläge zu einem "Angriff auf uns alle". Nein, Weiden und die Welt seien nicht bunt. "Die Explosionen von Paris und Mali sind wie Blitzschläge in unseren Alltag gekommen. Sie erschrecken uns zutiefst und machen uns stumm." Die Kolonialpolitik der europäischen Staaten habe den dschihadistischen Strömungen den Weg bereitet. "Und es gibt sie immer noch, diese subtile Ausbeutung. Allein durch unsere Handelsströme, Gewinne durch Waffengeschäfte und den Akt der Arroganz." Aber: "Aus der Ferne des Alls betrachtet, sind wir Menschen auf unserem kleinen, blauen Planeten doch alle sehr nah beisammen."

Der katholische Stadtpfarrer von St. Josef, Markus Schmid, zitierte ein Gebet, das die französischen Bischöfe in Hinblick auf die Terroranschläge von Paris formuliert hatten. Einen Appell an die Entwaffnung aller Beteiligten. "Denn selig sind die Friedfertigen."

Fassungslos und traurig

"Wir verurteilen die Terroranschläge aufs Schärfste", richtete der Vertreter der Muslime, Maher Khedr vom deutschsprachigen Muslimenkreis, "fassungslos und in tiefer Trauer" das Wort an die Versammlung. "Diese Terroristen führen Krieg gegen die Menschlichkeit und damit auch direkt gegen den Islam. Wir sind tief erschüttert über diesen feigen Massenmord. Wir stehen an der Seite Frankreichs und wir trauern um die vielen Opfer und sind in Gedanken und Gebeten bei deren Familienangehörigen."

Khedr sprach auch von "einem Angriff auf uns", der im Widerspruch zum Koran stehe. Der verurteile jedweden Übergriff auf Unschuldige und belohne Mitmenschlichkeit. "Die Terroristen verfolgten nur ein Ziel: Einen Keil zwischen Gesellschaft und Religionen zu treiben."

Leonid Shaulov von der jüdischen Gemeinde bezeichnete die verheerenden Anschläge unter dem Deckmantel einer religiösen Handlung als große Lüge. "Eine jede Religion, egal ob sie Christentum, Judentum oder Islam heißt, stellt die Liebe in ihren Mittelpunkt. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst." Nach den Ansprachen entzündeten die Teilnehmer Kerzen und hielten inne für kurze Andachten. An einer "Klagemauer" konnten Gedanken, Gebete und Texte angeheftet werden.
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