"Ein Betrieb, eine Gewerkschaft"

Keine reine Männersache waren die Ehrungen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Denn unter den Jubilaren war auch eine Frau: Barbara Fastner (mit Blumenstrauß). Bild: Kunz

Die Jubilarehrung der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) nutzen die Redner, um mehr Solidarität von den kleineren Spartengewerkschaften einzufordern. Denn der Konkurrenzkampf dürfe nicht in einen Verteilungskampf ausarten.

"In den letzten Jahren haben sich wieder mehr Menschen dazu entschieden, Mitglied einer Gewerkschaft zu sein. Ein Teil einer großen Familie zu werden", unterstrich der Nürnberger Geschäftsstellenleiter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Frank Hauenstein, am Samstag bei einer Jubilarehrung im Postkellersaal. "Das ist gut so."

Dadurch könne die EVG für die Interessen der Menschen in diesem Land eintreten. "Es muss zu einer Selbstverständlichkeit werden, mit dabei zu sein: gemeinsam und solidarisch. Der vermeintlich Starke hilft dem Schwachen." Allerdings gebe es gerade einige Spartengewerkschaften, die meinten, für ihre Kollegen ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden zu wollen.

Keine Machtspielchen

Was sehr schade sei. "Denn uns ist es nicht egal, was die Reinigungskraft, der Lokführer, der Zugbegleiter, der Kollege in der Verwaltung oder der Mitarbeiter in der Werkstatt verdient. Es geht uns nicht um Macht, Einfluss oder Ruhm. Wir schreiben unsere Gewerkschaftsgeschichte unter dem Motto: Was haben wir für die Menschen in diesem Land erreichen können?"

Auftrag der Gewerkschaft sei, für eine gerechte Entlohnung ihrer Mitglieder zu sorgen. Arbeitszeiten so zu gestalten, damit Menschen noch am sozialen Leben teilnehmen können. Und für Rentner und Pensionisten ein menschenwürdiges Auskommen im Alter zu gestalten. Man wolle keinen Konkurrenzkampf zwischen den Gewerkschaften. "Die Menschen bei den Bahnen möchten eine gute und kämpferische Interessenvertretung."

Hauenstein gab aber auch zu bedenken, dass Deutschland schienentechnisch 20 Jahre hinterherhinke. Es reiche schon, nach Tschechien zu blicken. Dort sei bereits eine elektrifizierte Eisenbahnstrecke vorhanden. Auf deutscher Seite müsse wieder mit Diesel gefahren werden. Das Gleiche gelte für die Strecke Regensburg nach Hof.

Landtagsabgeordnete Annette Karl (SPD) unterstrich in ihrem Grußwort ebenfalls die Bedeutung der Branchengewerkschaft. "Ein Betrieb, eine Gewerkschaft", sagte sie. Denn: Die Bürger hätten kein Verständnis für Streiks einer kleinen Gewerkschaft, die nur deswegen stattfänden, weil man die eigenen Mitglieder gegen die EVG aufhetzen wolle. Und SPD-Stadtrat Matthias Holl würdigte das Engagement der Jubilare.

Regionssekretär Peter Hofmann (DGB) forderte einen höheren Stellenwert von Gewerkschaftsfunktionären bei Auszeichnungen. "Eure Mitgliedschaft gibt Zuversicht", läutete EVG-Ortsvorsitzender Franz Popp die Ehrungen ein. Die Autoritätsstruktur des Staats habe sich vor seiner Demokratisierung nur obrigkeitshörige Beamte vorstellen können. Die Agenda von damals: "Heuern und Feuern". Popp: "Doch die Beschäftigten wollten diese Knechtschaft lösen, sie wollten eine freie Gewerkschaft."

Die Ausgezeichneten

Für 60-jährige Treue wurden geehrt: Herbert Heigl, Paul Herrmann, Johannes Müller, Siegfried Mutzbauer, Alfred Schwarz, Max Sieder, Johann Trojan und Adolf Tschannerl. Für 50 Jahre: Johann Bauer, Johann Beierl, Willibald Dietz, Werner Ditz, Rudolf Ernstberger, Willibald Reil, Heinz Rodinger, Franz Rögner, Karl Schlesinger, Theobald Schrepf, Hans Stiegler, Erhard Walberer und Christoph Zacharias. Für 40 Jahre: Peter Bäuml, Siegfried Bierl, Hans Dütsch, Ludwig Gmeiner, Rudolf Hofmann, Hubert Knorr, Gerhard Menkarski, Manfred Renner, Fritz Rolf, Hubert Rupprecht, Georg Sollfrank, Joachim Striegl, Engelbert Ulrich, Josef Voit und Alfons Weidner. Für 25 Jahre: Barbara Fastner und Stephan Fechner.
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